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Das Duell der Handball-Hirne

Gießener Allgemeine Zeitung

Donnerstag, den 07. September 2017 um 07:04 Uhr

Wenn Donnerstagabend die HSG Wetzlar auf den TV 05/07 Hüttenberg trifft, ist es auch das Duell zweier Trainer: Kai Wandschneider und Aðalsteinn Eyjólfsson. Ein Doppel-Interview.

Von Philipp Keßler. Am Donnerstag (19 Uhr) kommt es am vierten Spieltag der Handball-Bundesliga zum sehnsüchtig erwarteten Mittelhessen-Derby zwischen der HSG Wetzlar und dem TV 05/07 Hüttenberg. Die beiden Trainer, Kai Wandschneider und Aðalsteinn »Adli« Eyjólfsson, liefern sich vorab den verbalen Schlagabtausch im AZ-Gespräch.

Das Derby ist für die Region ein echter Höhepunkt. Ist es für Sie als Trainer ebenfalls besonders oder ein Spiel wie jedes andere?

Aðalsteinn Eyjólfsson: Ich denke, die Rivalität von früher hat sich dadurch etwas verändert, dass die Vereine einen unterschiedlichen Weg genommen haben. Für mich ist es einfach nur ein Spiel mit einem besonderen Flair und einem besonderen Charakter – wegen der Nähe und wegen den Bekanntschaften.

Kai Wandschneider: Man kann die große Handball-Tradition in Mittelhessen und der Vereine nicht leugnen. Beide haben eine große Geschichte und die Leute wissen das. Ich finde es großartig, dass hier jeder irgendetwas mit Handball zu tun hat.

"Handball ist eine Kampfsportart im Mannschaftsrahmen, es ist ein Gegeneinander, das nur durch ein Miteinander funktioniert" - Kai Wandschneider

Wenn Sie einem völlig Ahnungslosen erklären würden, was Handball ist: Wie würden Sie das machen?

Wandschneider: Es ist in erster Linie ein Wettkampfspiel. Es ist eine Kampfsportart im Mannschaftsrahmen, es ist ein Gegeneinander, das nur durch ein Miteinander funktioniert. Es ist hart, es ist aber auch schön. Es erfordert den ganzen Mann, es braucht eine große mentale Stärke, es ist unheimlich schnell, und richtig gute Mannschaften schaffen es, etwas zu entwickeln, wo jeder weiß, was der andere braucht, wo die Stärken eines jeden liegen und wie sie eingesetzt werden. Es braucht Respekt, Strategie und Führungsstärke. Mich fasziniert diese Komplexität. Und es berührt etwas Ursprüngliches in uns Menschen, nämlich das Spiel mit dem Ball, einem Medium, das eigentlich Frieden symbolisiert. Von daher ist Handball für mich ein Medium, um herauszufinden, wer ich eigentlich bin, wo ich mich selbst weiterentwickeln muss. Ich habe in den letzten 20, 30 Jahren viel durch den Handball gelernt. Dafür bin ich dankbar.

Eyjólfsson: Richtig. Es ist ein sehr taktisch geprägtes Spiel. Es geht darum, die Spieler in die Position zu bringen, wo sie stark sind, und zwar immer in verschiedenen Varianten. Für mich ist es besonders interessant, die verschiedenen Möglichkeiten der Führung zu beobachten. Die Frage ist, ob der Druck von außen Einfluss auf dich als Menschen mit deinen Werten und Prinzipien hat, also: Wie sehr lässt du dich selbst drücken und wie sehr gibst du das weiter? Das hat etwas damit zu tun, wie man selbst als Mensch sein möchte.

Wandschneider: Großartig, was »Adli« sagt. Der Handball hinkt in Sachen Führung Jahre hinterher. Die, die uns vorgesetzt sind, wollen immer mehr: mehr Training, härter durchgreifen. Da ist es interessant, ob man als Trainer unabhängig genug ist, seinen Weg zu gehen – unabhängig davon, ob man seinen Kopf damit riskiert. Für mich sind meine Spieler keine Schachfiguren auf einem Schachbrett, die ich dazu benutze, um selbst voranzukommen, sondern es sind Menschen, die ich mag und mit denen ich zusammenarbeite. Es gibt bestimmte Dinge, die kann ich nicht ändern, aber ich muss mit mir ausmachen, wie ich damit umgehe. In der Führungsart liegt ein unglaubliches Potenzial, das nicht abgerufen wird.

Warum beginnt jede Mannschaft jedes Jahr aufs neue die Vorbereitung auf einem vergleichsweise so niedrigen Niveau?

Wandschneider: Ein neuer Spieler reicht schon, und alles passt nicht mehr zusammen. Außerdem beschäftigt sich außer uns Trainern höchstens der eine oder andere rund um die Uhr mit Handball. Bei den meisten Spielern ist das nach dem Sommer einfach weg. Die Veränderungen addieren sich nicht, sie potenzieren sich. Deshalb sind die Spieler, die auf dem Platz steuern, so wie Evars Klesniks (fällt nach einer Bandscheiben-OP zwölf Wochen aus, Anm. d. Red.), so extrem wertvoll für uns. Doch diese Spieler werden durch die Ökonomisierung immer seltener, denn jeder Spieler schaut nach seinem eigenen Marktwert.

Eyjólfsson: Der Sport entwickelt sich in diesem Punkt in die falsche Richtung, nämlich nicht in Richtung Werte und Prinzipien, die Charakter bilden. Das ist verloren gegangen. Es geht nur noch um Ergebnisse, dabei ist meine Erfahrung: Wenn du das eine schaffst, kommen die Ergebnisse von selbst.

"Eine Änderung, die ich viel lieber sehen würde als den siebten Feldspieler, wäre ein Shotclock, also eine Uhr, die die Zeit für einen Angriff anzeigt, meinetwegen etwa 45 Sekunden." - Aðalsteinn Eyjólfsson

In dieser Saison gibt es mit dem vergrößerten Kader eine neue Regel, seit letzter Runde ist der siebte Feldspieler möglich. Haben Sie eine Idee für eine neue Regel?

Eyjólfsson: Eine Änderung, die ich viel lieber sehen würde als den siebten Feldspieler, wäre ein Shotclock, also eine Uhr, die die Zeit für einen Angriff anzeigt, meinetwegen etwa 45 Sekunden. Damit würde die Deckungsarbeit belohnt werden. Die Regel für das passive Spiel ist zwar verändert worden, aber sie ist immer noch unklar. Es bleibt alleine die Entscheidung der Schiedsrichter.

Trotz allem entwickelt sich der Handball immer ein Stück weiter. Wie sieht die Zukunft aus?

Wandschneider: Der Handball hat sich in den letzten zehn Jahren vor allem im Athletikbereich entwickelt. Unsere Organisation stellt aber nicht genügend Kapital für strukturelle Verbesserungen zur Verfügung. Der Handball könnte weiterkommen, wenn er sich mehr spezialisieren würde, zum Beispiel bei der Video-Analyse oder dem Scouting. Das machen wir momentan alles nebenher. Wir hinken allen anderen Ballsportarten hinterher. Außerdem fehlen Kreativität und Muße, weil wir keine Pausen bekommen.

Ihre Vereine stehen in der Etatliste hinten. Worauf können Sie als Trainer in Bezug darauf noch Einfluss nehmen?

Eyjólfsson: Wir können das, was wir haben, nur optimieren – und das täglich. Wir Hüttenberger leben hauptsächlich von Präzision, denn wir müssen gegen die individuelle Klasse genau auf den Punkt spielen, um Qualität zu bringen. Alles Unsaubere wird bestraft.

Wandschneider: Das ist bei uns genauso: totale Präzision. Jeder muss jede Variante kennen, da darf keine Unruhe reinkommen. Wir als Trainer müssen Prozesse der Selbstorganisation in Gang setzen, da wir nicht alles vorkauen können. Der Mannschaft ist ein Organismus, die im Laufe der Saison die beste Version ihrer selbst entwickeln muss - und das jedes Jahr aufs Neue.

Welche Bedeutung haben Charakter und Mentalität der Teams für Sie als Trainer?

Eyjólfsson: Es gibt wenige Mannschaften, die so viel organisieren wie meine. Diese Eigenverantwortung schweißt zusammen. Dadurch haben sie eine enorme Identifikation mit dem Team, dem Verein und der Region. So konnte sich über die Jahre ein besonderer Charakter entwickeln. Das ist ein sehr wichtiger Faktor für unseren Erfolg. Das macht mich stolz, denn so etwas ist unbezahlbar.

Wandschneider: Wir haben die höchste Fluktuation aller Bundesligisten in den letzten fünf Jahren, also fange ich jedes Jahr von vorne an. Da hat Hüttenberg ein Alleinstellungsmerkmal. Ich achte sehr auf gewisse Einzelheiten, etwa wie Spieler eine Hotelangestellte behandeln oder dass alle gemeinsam mit etwas anfangen und aufhören. Da geht es um Respekt. Deswegen hat auch »Ebbe« Klesniks jedes Jahr einen neuen Vertrag, weil er einen Arsch in der Hose hat und auch innerhalb der Mannschaft mal auf den Tisch haut. Mit solchen Spielern zu arbeiten, ist ein Geschenk für einen Trainer.

Eyjólfsson: Für diese Dinge muss man als Trainer aber Raum und Zeit geben, damit so etwas wie ein Teamspirit entsteht. Das ist genauso wie mit Muße und Kreativität.


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