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Stefan setzt furiosen Endpunkt

Gießener Anzeiger

Montag, den 31. Oktober 2016 um 08:24 Uhr

„20 Minuten schlecht gespielt“

HÜTTENBERG - (nih). „Ich glaube, so laut habe ich die Halle noch nie erlebt“, lachte Adalsteinn Eyjolfsson kurz nach dem Ertönen der Schlusssirene. Unmittelbar zuvor hatten seine Schützlinge den Wilhelmshavener HV in einer an Dramatik kaum zu überbietenden Begegnung mit 27:26 (14:10) in der 2. Handball-Bundesliga niedergerungen. Drei Sekunden waren im Hüttenberger Sportzentrum noch zu spielen, als Tim Stefan abhob, kurz in der Luft zu stehen schien und den Ball anschließend mit einem knallharten Wurf aus zehn Metern ins linke untere Toreck schleuderte. „Ich habe einfach draufgehalten und gehofft, dass er reingeht“, strahlte der Matchwinner, der insgesamt neun und damit ein Drittel aller Hüttenberger Tore erzielte.

TV Hüttenberg – Wilhelmshavener HV 27:26

Doch allein mit Stefans letztem Treffer hatten die TVH-Fans noch nicht aufatmen dürfen. Denn Wilhelmshaven spielte postwendend eine schnelle Mitte und warf den Ball von der Mittellinie auf den noch leeren Kasten der Hausherren, da diese zuvor mit sieben Feldspielern agiert hatten. Hüttenbergs Dominik Mappes sah dies, rannte zurück und lenkte das Leder in buchstäblich letzter Sekunde mit den Fingerspitzen ins Toraus. Der Jubel der 919 Zuschauer kannte anschließend keine Grenzen mehr und ließ Eyjolfsson die eingangs zitierte Aussage tätigen. „Das war am Ende vielleicht nicht unbedingt schön. Aber unter dem Strich zählen nur die zwei Punkte“, erklärte „Adli“, übte jedoch auch zurecht Kritik: „Wir haben 40 Minuten gut und 20 Minuten sehr schlecht gespielt. Aber es ist auch eine Stärke, dass wir so ein enges Spiel mittlerweile für uns entscheiden können“, meinte der Isländer.

Die Seinen zeigten sich zu Beginn von ihrer besten Seite: Der TVH spielte die Angriffe auf den Punkt, die Abschlüsse saßen und in der Defensive „verteidigen wir stark und haben auch eine gute Torhüterleistung. Dann dreht sich das aber um und trifft auf einmal für Wilhelmshaven zu“, analysierte Eyjolfsson, dessen Ensemble den Gast deshalb nach einer 7:1- (14.) und einer 12:6-Führung (20.) plötzlich auf 12:10 herankommen ließ (24.). Der Hüttenberger Coach nahm eine Auszeit und brachte Tomas Sklenak, woraufhin sich die Hausherren stabilisierten und für den 14:10-Pausenstand sorgten.

Und als eben jener Sklenak nach 35 Minuten zum 18:13 einwarf, schien es, als würden die Blau-Roten ihrem nächsten deutlichen Heimsieg entgegensteuern. Doch der WHV hatte noch nicht die weiße Fahne gehisst. „Wir haben mit viel Kampf und einer guten Torhüterleistung von Markus Bokesch zurück ins Spiel gefunden“, lobte dessen Trainer Christian Köhrmann seine Mannschaft, in der sein Bruder und Ex-Nationalspieler Oliver eine unauffällige Leistung geboten hatte. Dennoch musste Köhrmann gestehen: „Wir haben zum fünften Mal mit einem Tor verloren. Das sind nun einmal die harten Fakten, mit denen wir uns jetzt auseinandersetzen müssen.“

Dabei waren die Nordseestädter im letzten Drittel der Partie drauf und dran, die Begegnung noch zu ihren Gunsten zu drehen. Weil die Hüttenberger, bei denen Rechtsaußen Daniel Wernig aufgrund einer Sprunggelenks-Verletzung kurzfristig ausgefallen war, nicht mehr zu einfachen Toren über Stefan kamen und zudem die Chancenverwertung vom Kreis zu wünschen übrig ließ, schlichen sich die Gäste heran. Tobias Schwolow warf neun Minuten vor dem Ende zum 22:22 ein. Nach dem 26:26 hatte das „Original aus Mittelhessen“ allerdings noch ein letztes Ass im Ärmel: Tim Stefan. „Dass wir diesen Angriff so spielen, war abgesprochen. Dass ich ihn mir allerdings nehme, war wiederum eine andere Sache“, lachte der 21-jährige Schlaks.

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Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (9), Sklenak (1), Wörner (1), Lambrecht (6), Panther (n.e.), Rompf (3), Zörb, Fernandes, Johannsson (1), Roth (1), Mappes (5/4), Hofmann.

Wilhelmshaven: Weiner, Bokesch (ab 22.); Maas, Kalafut (2), Smits (1), Vorontsov (1), Köhler, Barkow (4), Mertens (3), Oliver Köhrmann, Kozul (1), Schwolow (3), Drechsler (11).

Schiedsrichter: Arndt/Kobilke (Biederitz) – Zuschauer: 919 – Zeitstrafen: 6:10 Minuten (Johannsson, Rompf, Wörner; – Kozul/zwei, Köhler, Drechsler, Barkow) – Siebenmeter: 7/4:2/0 (Rompf scheitert an Weiner und Bokesch, Mappes trifft die Latte; – Schwolow und Vorontsov scheitern an Ritschel).


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