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Karriere des Hüttenberger Spielmachers geht erst seit kurzem linear nach oben

Gießener Anzeiger

Samstag, den 10. Dezember 2016 um 09:49 Uhr

HÜTTENBERG. Von Florian Deis. - Natürlich bekam auch er als kleines Kind Märchen vorgelesen. Meist von der Oma. Rotkäppchen stand dann besonders hoch im Kurs. Mittlerweile schreibt Dominik Mappes selbst maßgeblich an einem Märchen mit. An jenem des wundersam starken Rückkehrers TV Hüttenberg in der 2. Handball-Bundesliga. Und der junge Spielmacher ist einer der Hauptprotagonisten bei diesem Werk. Mittlerweile ist der 21-Jährige unumstrittener Leistungsträger und die Nummer eins auf seiner Position im mittleren Rückraum. Doch in seiner Karriere ging es nicht immer derart steil bergauf.

Mit gut 14 Jahren, erinnert sich Axel Spandau, wurde der damals C-Jugendliche aus dem Hessenauswahl-Stützpunkt aussortiert. Zu klein war Mappes damals. Spandau, heute beim Oberligisten Wettenberg tätig, leitete seinerzeit den Stützpunkt in Gießen und hatte Mappes, den waschechten Hüttenberger, anschließend noch mehrfach unter seinen Fittichen. In der A-Jugend, der zweiten Mannschaft, später gut zehn Monate in der ersten Mannschaft sowie im Rahmen der Ausbildung. „Er ist ein ruhiger, cooler Typ“, sagt der 53-Jährige. Als Mappes im ersten B-Jugendjahr einen Sprung machte und einige Zentimeter an Größe zulegte, folgte der nächste Rückschlag: Patellasehnenabriss, lange Pause. Er arbeitete sich zurück, erhielt als A-Jugend-Leistungsträger Einladungen zum Stützpunkttraining des DHB, stand 2012/13 ein paar Mal im Zweitligakader und erhielt nach eben dieser Saison einen Vertrag. Der steile Aufstieg des Dominik Mappes? Mitnichten.

„Er hatte schon immer etwas, was andere nicht haben“, sagt Spandau. Es ist diese Mixtur aus den gestalterisch-strategischen Fähigkeiten eines Regisseurs und der Torgefahr, die ihn besonders auszeichnet. „Viele“, konstatiert Spandau, „haben nur eines davon, er hat beides.“ Der Durchbruch gelang jedoch nicht direkt, manch einer drückte ihm bereits den Stempel des ewigen Talents auf. Auch und gerade weil Mappes lernen musste, an seinem Talent zu arbeiten, um sein Potenzial auszuschöpfen. Spandau lächelt: „Training hat auch etwas mit Schinden und Arbeit zu tun. Da hat er vielleicht eine Art, die nicht so direkt damit zu tun hat.“ Der Spieler selbst weiß das durchaus, konfrontiert mit dieser Bemerkung kann er sich ein Lachen nicht verkneifen. „Ich war noch einiges jünger, habe das vielleicht nicht so eng gesehen. Es war nicht alles so wie heutzutage auf den Handball gerichtet. Aber das ist für junge Spieler vielleicht auch normal“, sagt Mappes.

Nachdem Adalsteinn Eyjolfsson den Zweitligisten übernommen hatte, spielte der Jungspund aufgrund einer Verletzung zunächst keine Rolle, drehte in der Saisonendphase, als der Abstieg bereits besiegelt war und Verletzungsprobleme ihm Spielanteile verschafften, aber mächtig auf. Zum einen spielte Druck keine Rolle mehr. Zum anderen bewegte Eyjolfsson ihn zu mehr Fleiß. „Adli“, meint Mappes, „pusht, er ist ein absoluter Profi und versucht, das an uns weiterzugeben.“ Der Isländer erklärt: „Dominik hat in den letzten zwei Jahren eine enorme Entwicklung genommen. Er hat erkannt, wie Leistungssport geführt wird, hat sich von Vorbildern wie Damir Doborac oder Tomas Sklenak sicherlich einiges abgeguckt.“

Fakt ist: Unter Eyjolfsson explodierte Mappes, stieg seine Formkurve rasant an. Vom Perspektivspieler zum Leistungsträger. In der 3. Liga reifte er, legte körperlich zu, machte taktische Fortschritte, übernahm viel Verantwortung. „Die 3. Liga“, befindet Spandau, „war die optimale Klasse für seine Weiterentwicklung. Die 2. Liga kam damals sicherlich zu früh“. Derzeit jedenfalls scheint Mappes, der im Mai seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann beendete und ein Sportmanagement-Fernstudium anpeilt, in der Form seines Lebens. 60/6 Tore sind nur ein Indiz dafür. Eyjolfsson ist spürbar bemüht, nicht in Elogen zu verfallen, sagt aber: „Ich staune bei seinem Alter manchmal, mit welcher Ruhe er spielt und wie oft er schon gute Entscheidungen trifft.“ Der TVH-Coach hält große Stücke auf seinen Schützling, bezieht ihn in taktische Gedankenspiele mit ein und sieht in ihm einen der Verantwortungsträger. Diesen Führungsspieleranspruch freilich hat Mappes auch an sich selbst: „Ich will und muss Verantwortung übernehmen. Als Mittelmann muss man die führende Person sein, man gibt den Takt vor.“

Kürzlich hat das Eigengewächs seinen Kontrakt bei den Blau-Roten um zwei Jahre verlängert. Hüttenberg und Mappes – das passt. Im Handkäsedorf will er den nächsten Schritt gehen. Trotz Anfragen aus der Beletage. Dorthin, daran lässt Mappes keinen Zweifel, richtet sich mittelfristig jedoch der Blick. „Die Bundesliga ist schon mein Ziel“, formuliert er. „Das Talent wird nicht begrenzen, wie weit er kommt. Die einzige Grenze ist Dominik selbst. Er kann alles schaffen, muss aber weiter hart an sich arbeiten“, sagt Eyjolfsson.

Vor dem heutigen Duell gegen den ThSV Eisenach, bei dem Mappes nach überstandener Krankheit wieder dabei sein wird, belegt der TVH einen Aufstiegsplatz. „Vielleicht“, grinst Hüttenbergs Mittelmann, „klappt’s ja schneller, als man denkt“. Das wäre dann fürwahr ein Märchen. Eines, das Dominik Mappes irgendwann einmal seinen Enkeln erzählen könnte.


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