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Trainer Adalsteinn Eyjolfsson über den "tollen Weg" der TVH-Mannschaft

Gießener Anzeiger

Dienstag, den 13. Juni 2017 um 07:17 Uhr

HÜTTENBERG. Von Patrick Olbrich. - Noch nie ist eine Mannschaft seit Bestehen der eingleisigen 2. Bundesliga direkt von der 3. Liga in das Handball-Unterhaus durchmarschiert. Dem TV Hüttenberg ist das am Samstag gelungen. Dazu sprach der Gießener Anzeiger mit Erfolgsvater, Trainer Adalsteinn Eyjolfsson.

Seit dem großen Erfolg gegen die TuS N-Lübbecke ist ein wenig Zeit vergangen. Wie fühlen Sie sich?
Puh, ich kann immer noch nicht so viel zu meiner aktuellen Gefühlslage sagen, denn ich beginne das Ganze erst so langsam zu realisieren. Was wir geschafft haben, ist eine absolute Sensation und das über einen derart langen Zeitraum hinweg. Ich bin einfach nur stolz auf die Leistung der Jungs und versuche gerade, selbst etwas zu mir zu kommen.

Wie stellen Sie das an?
Im Moment befinde ich mich gerade in meiner Heimat Island und genieße die milden 15 Grad im Garten. Hier kann ich ein wenig abschalten und versuchen, alles noch einmal Revue passieren zu lassen. Es ist einfach so eine großartige Sache für das Team.

Für Sie persönlich ist das doch sicherlich auch der größte Erfolg Ihrer bisherigen Trainerlaufbahn, oder?
Persönlich kann man das ganz klar sagen. Ich habe schon viele tolle Aufstiege erlebt, unter sehr professionellen Bedingungen gearbeitet und hier in Island Meisterschaften gewonnen, doch die aktuellen Voraussetzungen hatte ich noch nie. Mit Jungs, die normalerweise zum größten Teil studieren oder arbeiten, einen solchen Erfolg zu realisieren, ist nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern hat auch eine menschliche Komponente. Es ist ein toller Weg, den diese Mannschaft gemeinsam gegangen ist, wobei das Team in einem ganz engen Konstrukt verflochten ist. Man unternimmt sehr viel gemeinsam und bildet dadurch auch auf dem Parkett eine besondere Einheit.

Ist das auch ein Schlüssel für den Erfolg des TV Hüttenberg in den letzten Spielzeiten?
Ganz klar. Würde ein Sportpsychologe diese Situation bewerten, dann käme er sicherlich zu dem Schluss, dass diese Mannschaft als Konstrukt alles mitbringt, um enorm erfolgreich zu sein. Da steht einer für den anderen und jeder wirft alles in die Waagschale, was irgendwie möglich ist. Mit dieser Einstellung kann man viel erreichen.

Was waren für Sie noch besondere Höhepunkte der letzten Saison?
In jedem Jahr hat man besondere Highlights, aber auch Tiefpunkte, obgleich diese natürlich in dieser Saison eher geringer ausfielen. Da waren Spiele in Leutershausen, Eisenach oder Konstanz, wo man viel aus der Hand gegeben hat und sicherlich befürchten konnte, es sei nun für alles zu spät. Doch Höhepunkte waren dann immer wieder, wie sich die Mannschaft zurückgekämpft und Leidenschaft gezeigt hat. Das hat sich bis zum Saisonfinale soweit hingezogen, bis wir in heimischer Halle alles fix machen konnten. Das ist zweifellos ein wünschenwertes und wunderbares Erlebnis.

Sicherlich wollen Sie noch nicht allzu weit vorgreifen, doch was muss innerhalb der Mannschaft passieren, um in der Bundesliga bestehen zu können?
Es wird sicherlich sehr stark um Detailarbeit gehen. Wir müssen unseren eigenen Weg einfach konsequent weitergehen und uns in vielen Kleinigkeiten weiterentwickeln. Isolationsspiel, Auslösehandlungen - da geht es oftmals nur um Nuancen, aber daran muss man hart arbeiten. Darüber hinaus werden wir versuchen, noch zwei, drei Spieler für die neue Herausforderung gewinnen zu können. Auch das ist angesichts des späten Zeitpunktes und hinsichtlich der Frage der Bezahlbarkeit keine einfache Aufgabe.


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