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Tobias Hahn will sich mit TV Hüttenberg nicht verstecken

Gießener Anzeiger

Freitag, den 21. Juli 2017 um 09:03 Uhr

HÜTTENBERG - (flo). Vollprofitum? Nicht beim TV Hüttenberg. Handball-Bundesliga hin oder her. Da passte es irgendwie ins Bild, dass Neuzugang Tobias Hahn die Pressekonferenz zum Vorbereitungsauftakt verpasste. Weil der in Wetzlar beschäftigte Speditions- und Logistikkaufmann noch arbeiten musste. Immerhin bis zur Trainingseinheit packte es der 29-Jährige, der am Sonntag runden Geburtstag feiert, ins Sportzentrum. Nach sechs Jahren in Diensten des benachbarten Erstligisten HSG Wetzlar, der Hahns Vertrag nicht mehr verlängert hatte, unterzeichnete der linkshändige Rechtsaußen einen Zweijahres-Vertrag im Handkäsedorf. Trainer Adalsteinn Eyjolfsson hofft, "dass er unsere 3:2:1-Deckung auf der Halbposition weiter verstärkt und mit seiner Erfahrung für einen bestimmten Ausgleich sorgt". Im Interview spricht Hahn über seinen Wechsel und Hüttenbergs Chancen in der Eliteliga.

Herr Hahn, dank des Hüttenberger Aufstiegs bleiben Sie Erstligaspieler. Wie haben Sie den Aufstiegskampf verfolgt? Wie groß war die Freude?
Die Freude war sehr groß. Ich habe in der Rückrunde drei Spiele gesehen und auch sehr mitgefiebert. Mehr war nicht möglich, weil wir mit Wetzlar selbst gespielt haben. Das letzte Spiel haben wir auf der Rückfahrt aus Flensburg im Bus gesehen. Das Aufstiegsfinale war sehr spannend. Auch die Jungs aus Wetzlar haben sich gefreut. Da muss man echt den Hut vor Hüttenberg ziehen, wie sie diesen Durchmarsch aus der dritten in die Erste Liga gepackt haben.

Wie sind Ihre Erwartungen an den neuen Verein?
Ich freue mich darauf, dass ich ein weiteres Jahr in der Ersten Liga spielen kann. Einige der Jungs kenne ich ja schon. Ich erwarte daher eine homogene, coole Truppe, mit der wir viel Spaß haben werden und hoffentlich auch ein paar Große ärgern können. Wir sollten zusehen, schnell ein paar Punkte zu sammeln. Und dann schauen wir mal, was dabei rauskommt.

Zuvor waren Sie sechs Jahre in Wetzlar. Wie schwer fiel der Abschied nach so langer Zeit?
Schon schwer, weil man einige über die Jahre hinweg sehr gut kennengelernt, viel mit ihnen gemacht und Freunde gefunden hat. Da ist es schade, wenn man sich nicht mehr jeden Tag sieht. Aber ich bin nicht aus der Welt und denke, dass der Kontakt bestehen bleibt. Ich werde mir, soweit das möglich ist, natürlich auch ein paar Wetzlarer Spiele anschauen.

Sie freuen sich also auf das frühe Aufeinandertreffen am vierten Spieltag.
Klar, auf jeden Fall. Ich hoffe, dass wir da eine Überraschung landen können. Ich freue mich auch auf die Halle. In der Wetzlarer Halle ist immer eine super Stimmung. Ich hoffe, dass wir das in Gießen auch annähernd so hinbekommen.

War der Wechsel zum TVH gewissermaßen ein naheliegender Schritt?
Ja. Ich wohne seit Oktober mit meiner Freundin zusammen in Wetzlar, arbeite auch hier, habe mir hier also ein zweites Standbein aufgebaut. Daher war dieser Wechsel für mich die erste, beste und im Nachhinein auch schnellste Option. Die Verhandlungen haben super geklappt. Daher bin ich froh, dass ich hierbleiben kann und nicht wieder umziehen muss.

Sie kennen die Bundesliga aus dem Effeff. Welche Chancen hat der TVH in der nächsten Saison im Oberhaus?
Man muss abwarten und hoffen, ohne Verletzungen durchzukommen. Es ist natürlich brutal schwer und man kann schnell hinten reinrutschen. Man hat es im letzten Jahr am Bergischen HC gesehen, der in der Hinrunde zu viele Federn gelassen hat. Aber warum sollten wir mit der Haltung in die Runde gehen, dass wir sowieso absteigen? Wir haben 34 Spiele Zeit, um uns zu beweisen und um Punkte zu holen. Wir geben alles, um am Ende über dem Strich zu stehen. Die Chance dazu ist größer als in den letzten Jahren, weil in der nächsten Saison nur zwei Mannschaften absteigen.

Der Etat ist der niedrigste der Liga, die Erstligaerfahrung begrenzt, der Großteil des Teams besteht aus Nicht-Profis. Worin liegt auf der anderen Seite aus Ihrer Sicht der Hüttenberger Trumpf?
In der Hinrunde auf jeden Fall im Überraschungsmoment. Wir müssen da sein, wenn andere Mannschaften uns unterschätzen. Und natürlich im mannschaftlichen Zusammenhalt, den die Jungs haben und in den ich mich hoffentlich schnell einfüge. Von der individuellen Stärke her haben einige andere Teams uns gegenüber ein kleines Plus, daher müssen wir über die Geschlossenheit kommen.

Worauf wird es denn ankommen, um in der Bundesliga zu bestehen?
Wir sollten schauen, uns nicht vor anderen Mannschaften in die Hose zu machen, sondern einfach Handball zu spielen. Auch wenn wir in Kiel spielen und manche noch nicht vor 10.000 Zuschauern gespielt haben - da darf man sich keinen Kopf machen.

Sie kommen als bundesligaerfahrener Spieler nach Hüttenberg, haben aber mit Daniel Wernig einen absoluten Leistungsträger als Konkurrent auf Ihrer Position. Wie sehen Sie Ihre Rolle?
Ich möchte nicht reinspringen und sagen, ich bin erster Mann. Ich muss mich erstmal einfinden. Der Bessere soll spielen. Gerade über 34 Spiele hinweg denke ich zudem, dass man zu zweit deutlich stärker ist. Daniel hat das zwar auch alleine stark gemacht, aber man merkt über die Saison hinweg, dass man eigentlich auf jeder Position zwei Leute braucht. Ich denke, wir werden uns gut ergänzen.

Ein Großteil der Heimspiele wird sonntags um 12.30 Uhr stattfinden. Ein bisschen wie früher in der Jugend. Wie finden Sie das?
Ich finde das nicht so geil. Das werde nicht nur ich so sehen. Vom ganzen Tagesablauf her ist das schwierig, man muss sich da erstmal reinkämpfen. Wann steht man auf? Wann isst man? Aber wir sind nicht die einzige Mannschaft, die das betrifft. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Vielleicht erwischen wir da auch ein paar Mannschaften auf dem falschen Fuß, wenn die zwei, drei Stunden zu uns fahren.


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