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Bundesliga-Aufsteiger verdient sich Punktgewinn in Wetzlar

Gießener Anzeiger

Freitag, den 08. September 2017 um 08:12 Uhr

WETZLAR. Von Ulrich G. Monz. - Gefühlte Niederlage für Handball-Bundesligist HSG Wetzlar im prestigeträchtigen Lokalderby gegen den TV Hüttenberg. 4421 Zuschauer in der ausverkauften Rittal-Arena erlebten beim 23:23 (13:10)-Unentschieden ein rassiges und spannendes Mittelhessen-Duell, das zwar keine handballerische Feinkost bot, dafür aber bis zur letzten Sekunde das Publikum mit Kampf, Leidenschaft und Emotionen in Bann hielt. Die Mannschaft aus der Handkäsemetropole bewies, dass man als Bundesliga-Neuling auch ein arriviertes Team wie das der Wetzlarer ins Straucheln bringen kann und deshalb verdientermaßen den ersten Bundesligazähler verbuchte.

"In den letzten zwei Spielen haben wir schon gezeigt, dass wir durchaus in der Liga mithalten können. Heute haben wir zwar mit zu viel Respekt, ja ängstlich begonnen, doch dann hat die Mannschaft an sich geglaubt und den Schalter noch umgelegt", sprach Hüttenbergs Geschäftsführer Lothar Weber ein dickes Kompliment an seine Truppe aus.

Tatsächlich begann die Partie mit einem Paukenschlag nach dem anderen. Während die Hände der Hüttenberger Schützen nervös zitterten, legten die Hausherren mit den ersten fünf Angriffen ein 5:0 (8.) vor. 20 Minuten lang hielt die Wetzlarer Vorherrschaft auf dem Spielfeld an (8:3, Ferraz), ehe Gäste-Spielmacher Tomas Sklenak mit kämpferischem Einsatz, guter Regie und prächtigen Toren regelrecht seine Mannschaftskollegen reanimierte.

HSG Wetzlar - TV Hüttenberg 23:23

Die Wiederbelebung der Hüttenberger Tugenden war zwar noch nicht an den Zwischenständen (12:7, 13:8) festzumachen, doch Nachlässigkeiten im HSG-Angriff sorgten dafür, dass der TVH bis zum Wechsel auf 13:10 verkürzte.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste mit zahlreichen Wetzlarer Möglichkeiten, die aber nicht genutzt wurden, weil Fabian Schomburg beim Gegner großartig gegen Cavor, Mirkulovski und Kohlbacher parierte. Dennoch bauten die Grün-Weißen unter dem Jubel ihrer Fans ihre Führung bis auf 20:15 (Björnsen, 47.) aus. Die Begegnung schien wohl aus Wetzlarer Sicht bereits entschieden, denn plötzlich zeigte sich in den HSG-Aktionen mangelnde Konzentration im Abschluss, während Hüttenberg mit sehenswerten Angriffen vier Tore in Folge bis zum 20:19 (Wernig, Siebenmeter, 53.) erzielte.

Und sieben Minuten vor dem Ende hakten die Hüttenberger nach. Der Aufsteiger strotzte nun vor Selbstvertrauen, in jeder Aktion "pushten" sich die Schützlinge von TVH-Coach "Adli" Eyjolfsson, während bei den Lahnstädtern nichts mehr von Routine, Abgeklärtheit und Bundesligaerfahrung zu sehen war. Als Daniel Wernig einen Tempogegenstoß zum 20:20 (54.) verwandelte, schien das Spiel tatsächlich noch zu kippen. Die Chance zur ersten Hüttenberger Führung besaß Vladan Lipovina, der allein vor Benjamin Buric am Torhüter scheiterte. Maximilian Holst und Filip Mirkulovski brachten Wetzlar noch zweimal in Front, doch der starke Christian Rompf und Lipovina sorgten für das 23:23 und die gerechte Punkteteilung.

"Wir haben trotz des deutlichen Rückstands in der zweiten Halbzeit nie aufgegeben und mit großem Willen ins Spiel zurückgefunden. Der Punkt ist wie ein Auswärtssieg für uns", sagte der Ex-Wetzlarer Tobias Hahn im TVH-Dress. Für Nationalspieler Jannik Kohlbacher war das Ergebnis "extrem bitter, weil wir zu viele freie Bälle verworfen haben". In seiner Analyse fand Kai Wandschneider drei Probleme bei der Vorstellung seiner Mannschaft: "Die Torhüterleistung hat bei uns noch nicht den Stand der letzten Saison erreicht, die Sicherheit beim Siebenmeterwurf fehlt und die freien Chancen, die wir kreieren, werden nicht genutzt."


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