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Stefan trifft fünf Sekunden vor Abpfiff

Gießener Allgemeine Zeitung

Montag, den 31. Oktober 2016 um 10:42 Uhr

Hüttenberg zittert sich zum 27:26 über Schlusslicht Wilhelmshaven

(mro) Kurz vor Halloween zitterten sich die Zweitliga-Handballer des TV 05/07 Hüttenberg am Samstag Abend vor heimischem Publikum zu einem 27:26 (14:10) gegen den Tabellenletzten Wilhelmshavener HV. Jan Stefan, der 21-jährige Neuzugang, erzielte mit seinem neunten Tagestreffer fünf Sekunden vor dem Schlusspfiff das vielumjubelte Siegtor. Den Sieg rettete anschließend ein beherzter Dominik Mappes, der im Stile seines Vaters Stefan, langjähriger Torwart des TVH, indem er vor dem Wurfkreis abspringend den letzten Wurf der Gäste auf das Hüttenberger Gehäuse abfing – in welches Keeper Matthias Ritschel noch nicht zurückkehrt war, der von Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson im letzten Angriff zugunsten eines siebten Feldspielers auf die Bank beordert worden war. »Ich habe nicht viel nachgedacht. Ich wusste nur, der muss jetzt unbedingt rein«, rang der Hüttenberger Halblinke Jan Stefan kurz nach dem Spiel noch nach Worten für seinen Wurf ins Hüttenberger Glück.

Dabei sah es anfangs gar nicht nach so einer spannenden Schlussphase aus. »Wir sind gut ins Spiel gekommen, hatten eine super Chancenverwertung aus einer guten Abwehr mit einem starken Matthias Ritschel im Tor«, fasste der isländische TVH-Trainer die Anfangsphase zusammen. 7:1 nach 13 Minuten durch Moritz Lambrecht, der speziell im Angriff ein starkes Spiel machte und sechsmal traf, sprachen eine deutliche Sprache.

Doch nach dem 8:2 durch Tim Stefans bereits fünftes Tor fanden die Gäste besser ins Spiel. Langsam kam René Drechsler, in der letzten Saison zum Spieler der Saison in der 2. Liga gewählt und bisher bei Christian Rompf in guten Händen, besser zum Zug, indem er oft den langen Weg auf die andere Rückraumseite nahm, um von dort zu treffen. Zudem entschärfte der nun ins Wilhelmshavener Tor gerückte Markus Bokesch einige Hüttenberger Würfe, die allerdings auch teilweise nicht präzise genug waren. Und darüber streuten die Gäste immer wieder punktuell einen offensiven Deckungsspieler ein, um den Hüttenberger Spielfluss zu unterbrechen. Da Eyjólfsson gegen Ende der ersten Halbzeit durchwechselte, zudem Christian Rompf bereits in der Anfangsphase und auch Dominik Mappes je einen Siebenmeter nicht im Gäste-Gehäuse unterbringen konnten und sich auch ansonsten noch einige Ungenauigkeiten im Hüttenberger Spiel einschlichen, verkürzte der WHV von 6:12 auf 10:12 (24.). Gut, dass der ansonsten recht blasse Ragnar Jóhannsson und Moritz Lambrecht mit einem Doppelschlag das ansonsten zu kurz kommende schnelle Umschaltspiel mit ihren Treffern zum 14:10-Pausenstand abschlossen.

Denn die Gäste von der Nordsee, klug gelenkt vom reaktivierten Ex-Nationalspieler und Trainer-Bruder Oliver Köhrmann, hatten nun natürlich Lunte gerochen. Und robbten sich so langsam an die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim heran. Zumal Christian Rompf in der 39. Minute abermals einen Strafwurf nicht im Gäste-Kasten unterbringen konnte. Elf Minuten vor dem Ende war es daher nicht verwunderlich, dass Matej Kozul mit seinem Treffer zum 21:21 wieder ausgleichen konnte.

»Wir haben 40 Minuten gut und 20 Minuten sehr schlecht gespielt«, bewertete der TVH-Coach den Auftritt seiner Mannen. Der somit eine spannende Schlussphase einläutete. In der der TVH sich bei den Gästen, die zuvor schon vier Ein-Tore-Niederlagen einstecken mussten, bedanken konnte, dass diese die Chancen, das Spiel umzubiegen, nicht nutzten. Kapitän Ritschel stärkte auch in dieser Phase seinem Team, das ohne Rechtsaußen Daniel Wernig angetreten war, den Rücken. Der fehlende Linkshänder gab allerdings Entwarnung. »Es ist nur eine leichte Sprunggelenksverletzung mit Flüssigkeit im Gelenk. Ich hätte heute spielen können. Aber wir wollten nichts riskieren für die lange Saison, zumal ich ja der einzige Rechtsaußen bin. Nächste Woche ist zudem kein Spiel, so dass ich gegen Essen wieder fit sein sollte.«

Nur gut, dass es trotzdem zu einem glücklichen Ende für den TV 05/07 reichte, der in den letzten Spielsekunden dann noch einmal alles richtig machte. Der TVH kann mit einer Punkteausbeute von 14:6 mehr als zufrieden in die Länderspielpause gehen.

Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan(9), Sklenák (1), Wörner (1), Lambrecht (6), Panther, Rompf (3), Zörb, Fernandes, Jóhannsson (1), Roth (1), Mappes (5/4), Hofmann.

Wilhelmshaven: Bokesch, Weiner; Maas, Kalafut (2), Smits (1), Vorontsov (1), Köhler, Barkow (4), Mertens (3), Köhrmann, Kozul (1), Schwolow (3), Drechsler (11/1).

Stenogramm / SR: Arndt/Kobilke (Biederritz). – Zuschauer: 919. – Zeitstrafen: 6:10 (Strafminuten). - Siebenmeter: 7/4:2/1.


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