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Kein Zufall mehr

Gießener Allgemeine Zeitung

Montag, den 12. Dezember 2016 um 12:07 Uhr

Der Wahnsinn geht weiter. Handball-Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg eilt mit dem 28:23 über den ThSV Eisenach weiter von Sieg zu Sieg und hat als neuer Tabellenzweiter nun drei echte Schlagerspiele vor der Brust

Von Markus Röhrsheim. Eruption der Gefühle im Sportzentrum Hüttenberg am Samstagabend. Mit dem Schlusspfiff stürmten die TVH-Spieler aufeinander zu und ließen ihrer Freude freien Lauf. Man konnten ihnen deutlich ansehen, wie erleichtert sie nach einem hart erkämpften 28:23 (11:11)-Sieg gegen Bundesliga-Absteiger ThSV Eisenach waren. Und den Augenblick zu Recht genossen. »Uns war klar, dass es ein hartes Spiel wird. Am Ende hat uns wahrscheinlich das mehr an Wechselmöglichkeiten geholfen«, fasste Mittelmann Dominik Mappes treffend zusammen. Während sein Kollege Tomáš Sklenák sichtlich die Verehrung der Eisenacher Fans genoss. Die hatten bereits vor Spielbeginn seinen Namen lauthals skandiert und trotz Niederlage es einfach genossen, wieder einmal ihr Idol aus zehn Jahren beim ThSV in den Arm nehmen zu können. »Ich habe zwei Heimaten. Das ist einfach nur schön«, war der Tscheche sichtlich gerührt.

Der aber, trotz aller Freude, Mitgefühl mit dem Eisenacher Kapitän Daniel Luther zeigte. Der, vor Wochenfrist in Bietigheim noch mit zehn Toren überragend, nach exakt 100 Sekunden wie vom Blitz getroffen auf dem Parkett niedersank. Erste Diagnose: Achillessehne gerissen. Was die Eisenacher Personalmisere weiter verschlimmerte und zum Ende hin vielleicht die von Mappes angesprochenen entscheidenden Körner kostete. Denn in der ersten Halbzeit war es eine Partie »auf Augenhöhe«(Mappes), in der beide Mannschaften, gestützt auf starke Deckungsreihen mit ebenso guten Torhütern Matthias Ritschel und dem Ex-Hüttenberger Steffen Redwitz, sich einen intensiven Abnutzungskampf auf hohem Zweitliga-Niveau lieferten.

Hatten die Gäste nach einer schnell vorgetragenen Ball-Staffette, in der ihre ganze Klasse zu sehen war, durch Linksaußen Adrian Wöhler mit 10:8 die Nase vorne (23.), so drehten ein Doppelschlag von Sebastian Roth und Kreisläufer Moritz Lambrecht in Überzahl sowie ein Strafwurf von Daniel Wernig wieder die Partie, ehe dem sicheren Siebenmeter-Schützen Tomas Urban noch der 11:11-Halbzeitstand gelang.

Auch Abschnitt zwei begann ausgeglichen, ehe erneut Roth mit einem Doppelschlag in Unterzahl sowie der unter Woche kranke Wernig, dem dies auch deutlich anzumerken war, per Tempogegenstoß auf 17:14 in der 38. Minute erhöhten. »Hätte Duje Miljak in dieser Phase nicht dreimal Pfosten oder Latte getroffen, wäre das Spiel vielleicht auch anders gelaufen«, mutmaßte TVH-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson. So aber war seine Mannschaft endlich ins Rollen gekommen. Hinten unterband man die Kreisanspiele auf den bulligen Marcel Niemeyer, die noch vor der Pause zu fünf Strafwürfen geführt hatten. Und im Angriff verteilte sich die Wurflast erfolgreich auf viele Schultern, so dass Redwitz entnervt seinen Kasten räumte.

Denn die Blau-Roten, angetrieben vom Publikum, welches gegen eine zahlreiche und lautstarke Eisenacher Fangemeinde zu bestehen wusste, zogen nun nach einer dreiviertel Stunde auf 23:17 durch Linkshänder Ragnar Jóhannsson, dem in der ersten Hälfte noch das Wurfglück fehlte, weg.

Doch die Gäste ließen nicht locker. Nach der roten Karte gegen Sebastian Rompf nutzten sie die entstandene Unordnung in der Hüttenberger Deckung, brachten zudem den siebten Feldspieler, und rückten so beim 21:24 in der 53. Minute durch abermals Urban vom Punkt noch einmal heran. Die zarten Hoffnungen zerstörte aber der wieder genesene Dominik Mappes, der bei drohendem Zeitspiel den Ball in den Winkel des Gäste- Tores zimmerte. Spätestens das folgende 26:21 durch Rechtsaußen Wernig vier Minuten vor dem Ende machte den Sack zu und leitete die große Sause nach dem Schlusspfiff ein.

»Das war schon wieder ein unglaubliches Spiel«, rang Eyjólfsson nach dem Sieg gegen seinen Ex-Verein nach Worten. »Auch wenn es eng ist, bleiben meine Jungs ruhig und spielen ihren Stiefel runter. Wir wissen, warum wir da stehen und was wir dafür getan haben«, weiß der Isländer natürlich, das mittlerweile Tabellenplatz zwei kein Zufallsprodukt ist. Und genießt weiter den Moment vor den noch anstehenden restlichen drei schweren Partien zum Vorrundenabschluss, davon noch zwei in diesem Jahr, in Bietigheim, gegen Rimpar und beim neuen Tabellenführer Nettelstedt.

TV 05/07 Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (1), Sklenák (2), Wörner, Lambrecht (3), Wernig (4/2), Rompf (2), Zörb, Fernandes (3), Jóhannsson (4), Roth (3), Mappes (5), Hofmann (1).

ThSV Eisenach: Gorobtschuk, Redwitz, Iffert, Bogantzki, Wöhler (4), Luther, Ragnarsson (4), Miljak (3), Schliedermann (3), Hansen (1), Urban (8/6), Heinemann, Kaufmann, Niemeyer.

Stenogramm / SR: Thiyagarajah/Thiyagarajah (Gummersbach) – Z.: 1139 – Zeitstrafen: 6:8 Minuten. – Disqualifikation: Rompf (TVH, 47.); Hansen (ThSV, 53. /3x2) – Siebenmeter: 3/2:6/6.


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