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Stürmische Kontrahenten

Gießener Allgemeine Zeitung

Samstag, den 17. Dezember 2016 um 09:02 Uhr

Der TV 05/07 Hüttenberg rockt als Rückkehrer die 2. Handball-Bundesliga der Männer. Heute steigt bei der SG BMM Bietigheim somit ein Liga-Hit. Wir haben die beiden Topteams verglichen.

Von Markus Röhrsheim. Noch zwei Spiele bis zur WM-Pause. Danach nur noch ein Spiel und die Vorrunde in der 2. Handball-Bundesliga ist abgeschlossen. Die Tabelle hat also schon eine gewisse Aussagekraft. Sie weist überraschend Zweitliga-Rückkehrer TV 05/07 Hüttenberg auf Platz zwei aus, der am Saisonende zum Aufstieg in die stärkste Liga der Welt führen würde. Am heutigen Samstag (20 Uhr) treten die Schützlinge von Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson beim punktgleichen Dritten SG BBM Bietigheim somit zu einem Spitzenspiel an. Im Vorfeld versuchen wir in einer Gegenüberstellung einen Vergleich der beiden Mannschaften.

- Torhüter: Hier hat der TVH die Nase vorne. Kapitän Matthias Ritschel hat offenbar das in der Drittliga-Aufstiegssaison aufgebaute Selbstvertrauen mitnehmen können. Ein Blick auf die Liga-Statistik weist den 30-Jährigen mit einer Quote von knapp einem Drittel gehaltener Bälle im Vorderfeld der Liga aus. Zusammen mit seinem Back-up Fabian Schomburg geben sie ihren Vordermännern in der Abwehr den nötigen Rückhalt, profitieren aber auch von der gut funktionierenden Deckungsarbeit. Die Hüttenberger Eingespieltheit mit den Vorderleuten fehlt noch etwas bei Bietigheim. Domenico Ebner kam erst im Sommer vom Drittligisten SG Köndringen/Teningen. Auch der isländische 2,05-Meter-Riese Aron Rafn Edvardsson, dessen Einsatz wegen einer Oberschenkelzerrung noch fraglich ist, hütet erst seit Anfang des Jahres das Tor der Baden-Württemberger.

- Angriff: »Ich hoffe, dass die Zuschauer ein gutes Spiel mit vielen Toren sehen werden.« Dass sich dieser Satz von Bietigheims Trainer Hartmut Mayerhoffer heute Abend erfüllen wird, ist sehr wahrscheinlich, treffen doch die beiden erfolgreichsten Angriffsreihen der Liga aufeinander. Nicht nur die Anzahl der erzielten Treffer, auch die Angriffseffektivität weist beide Mannschaften noch knapp vor dem aktuellen Tabellenführer TuS Nettelstedt-Lübbecke aus. Eine Wurfquote von über 60 Prozent spricht für die Treffsicherheit auf beiden Seiten. Etwas überraschend kommt diese Stärke bei den Mittelhessen, war doch gerade das Tore-werfen der große Schwachpunkt in der Zweitliga-Abstiegssaison wie auch schon im Jahr davor. Aber auch bei den Gastgebern hatte man nach dem Abschied vom bisherigen »Dreh- und Angelpunkt Timo Salzer vor der Runde etwas Bauchweh«, wie Mayerhoffer unumwunden zugibt. Während die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim mit Rechtsaußen Daniel Wernig einen Spieler an der Spitze der Torschützenliste aktuell auf Rang vier platziert haben, verteilen sich die Tore bei der SG BMM noch gleichmäßiger auf viele Schulter. Nach dem zweitbesten TVH-Schützen Dominik Mappes folgen mit Robin Haller, Jonathan Scholz, Tim Dahlhaus, Christian Schäfer und Babarskas Gerdas gleich fünf Spieler, die nur sieben Tore auseinanderliegen. Doch auch bei den Gästen sind kurz dahinter mit Linkshänder Ragnar Johannsson und Christian Rompf zwei weitere Spieler in den Top-50 der Liga platziert. TVH-Coach Aðalsteinn Eyjólfsson sieht viel Qualität beim Gegner, »der über einige Spieler mit Erstliga-Erfahrung« verfügt.

- Abwehr: Auch hier Pluspunkte für Hüttenberg. Die im letzten Jahr bundesweit beste Drittliga-Abwehr aller vier regionalen Staffeln kann auch eine Klasse höher ihre Stärken zeigen. Mit bisher nur 393 Gegentreffern und damit stattlichen 41 weniger als Bietigheim stellt man die drittbeste Deckungsreihe. »Wenn wir weiter so gut Abwehr spielen und um die 30 Tore werfen, wird es schwer, uns zu schlagen«, hat TVH-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson schon vor Wochen festgestellt. Während die Gastgeber die klassische 6:0-Deckungsvariante bevorzugen, war die Wiederbelebung der 3:2:1-Abwehr durch den Isländer der vielleicht entscheidende Wendepunkt zu wieder erfolgreicheren Hüttenberger Zeiten.

- Formkurve: Beide Mannschaften reiten auf einer Erfolgswelle. Beim TVH hält diese schon fast eineinhalb Runden an und hat auch mit dem Aufstieg in Liga zwei bisher keinen Abbruch gefunden. Bei Bietigheim ging der Weg ab der Rückrunde der Vorsaison steil nach oben, sodass man sich noch aus der Abstiegsregion auf Platz neun im Abschlussklassement nach vorne arbeiten konnte. »Bietigheim hatte, wie viele andere auch, nach dem Erstliga-Abstieg erst einmal mit dem gebrochenen Selbstvertrauen zu kämpfen. Die Torhüter-Verpflichtung von Aron Rafn Edvardsson in der Winterpause hat ihnen zudem weiter geholfen«, sieht Eyjólfsson die Gründe für den Fehlstart in der Vorsaison. Ein weiterer gemeinsamer Trumpf ist die Eingespieltheit. »Wir mussten nur einen neuen Feldspieler in bekannte Abläufe integrieren«, sieht Hartmut Mayerhoffer personelle Kontinuität bei Bietigheim als Vorteil an. Ebenso wie beim TVH, wo der Stamm zum Teil schon Jahre zusammen spielt und man diesem auch nach dem Drittliga-Abstieg, trotz durchaus kritischer Stimmen, weiter vertraute. Auch hier wurde im Sommer der Kader mit Christian Rompf, Tim Stefan und Jan Wörner nur punktuell, aber hochwertig und sinnvoll, ergänzt. Ein Blick auf die aktuelle Saison zeigt, dass die Gastgeber nach acht Siegen zu Beginn in den folgenden acht Spielen sich ihre bisher sechs Minuspunkte einhandelten. Der TV 05/07 Hüttenberg dagegen entwickelte aus einem guten Saisonstart ein Gefühl der Unschlagbarkeit, was zu einer Serie von zuletzt sieben Siegen geführt hat.


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