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»Irre, wir sind Spitzenreiter«

Gießener Allgemeine Zeitung

Dienstag, den 27. Dezember 2016 um 11:02 Uhr

Hüttenberg und Rimpar trennen sich mit einem 30:30-Unentschieden

(mro) Der TV 05/07 Hüttenberg geht sensationell als Tabellenführer der 2. Handball-Bundesliga in das neue Jahr und die WM-Pause. Ein 30:30 (18:16)-Unentschieden gegen die fünftplatzierten DJK Rimpar Wölfe reichte gestern Abend zur punkt- und torgleichen Übernahme der Spitze, nachdem der TuS Nettelstedt-Lübbecke bereits am Freitag völlig überraschend beim Tabellenletzten in Rostock unterlegen war.

Doch es war ein hartes Stück Arbeit bis dahin, und sieben Minuten vor dem Ende beim Stand von 27:30 sah es nach einem Gäste-Sieg aus. TVH-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson stellte nach einer Auszeit erneut seine Deckung um, und die Maßnahme mit Tomáš Sklenák als verschobener Spitze und Moritz Lambrecht auf der halben Deckungsposition brachte endlich den gewohnten Erfolg. Daniel Wernig per Siebenmeter, Dominik Mappes am Tag nach seinem 22. Geburtstag und erneut Wernig nervenstark vom Punkt erzielten in der Folge den Ausgleich bereits 130 Sekunden vor dem Schlusspfiff. Die schon lange nicht mehr so proppenvolle und laute Halle ging anschließend durch ein Wechselbad der Gefühle. Endlich konnte Kapitän Matthias Ritschel zuerst gegen den Halbrechten Steffen Kaufmann parieren und, nach Mappes-Fehlwurf bei drohendem Zeitspiel, auch den letzten Ball entschärfen, so dass anschließend die Erleichterung der Spieler über dieses Ende im Siegerkreis greifbar war.

Diese Einschätzung bestätigten auch die Protagonisten. »Das war heute mehr Kampf als Spiel«, hatte auch Mappes die gewohnte Leichtigkeit vermisst. Vielleicht spukte doch schon seit Freitagabend das Thema Tabellenführung unbewusst in den Spielerköpfen herum. Auf jeden Fall offenbarten die Hausherren ungewohnte Defensiv-Schwächen, so dass Gäste-Trainer Dr. Matthias Obinger konstatierte: »Die Abwehrreihen haben in der ersten Halbzeit sicherlich nicht dominiert.« In dieser setzte sich der TVH nach ausgeglichenem Beginn in der 19. Minute nach schnellem Umschaltspiel durch Kreisläufer Mario Fernandes zum 12:7 ab. Doch die Einwechselung des zuletzt kränklichen Benjamin Herth brachte Rimpar wieder heran. Seine Spielsteuerung brachte den Anschluss, ehe Linksaußen Christian Rompf mit dem Pausenpfiff sich noch einen Pfostenabpraller schnappte und diesen per Dreher zum 18:16-Pausenstand im Gehäuse unterbrachte.

Auf beiden Seiten hatten die Trainer auf das mangelnde Abwehrverhalten schon mit Torwartwechseln reagiert, doch wurden die Keeper auch viel zu oft von ihren Vorderleuten alleine gelassen. Da sich dieses Manko zuerst bei den Gästen besserte, drehten diese das 24:23 von Daniel Wernig (38.) in eine eigene 26:24-Führung, die Linksaußen Dominik Schömig in Überzahl nach einer Dreiviertelstunde erzielte. Der TVH wankte, agierte auch im Angriff zu fehlerbehaftet und ließ die einfachen Tore aus Ballgewinnen vermissen, da diese fast nicht stattfanden. Doch letztlich sollte Rimpar den Drei-Tore-Vorsprung nicht ins Ziel retten.

»Wenn man beide Halbzeiten betrachtet, ist es eine gerechte und verdiente Punkteteilung«, gab Neu-Dreissiger Christian Rompf zwei Tage nach seinem Geburtstag die Meinung vieler wieder. Und sein Trainer ergänzte: »Wir müssen am Ende mit dem einen Punkt zufrieden sein, wenn man kurz vor Schluss mit drei Toren hinten liegt. Aber: Wir verlieren einfach nicht mehr. Die Mannschaft glaubt bis zuletzt an sich«, sagt der Isländer mit viel Stolz in der Stimme. Er bemängelte das sonstige Paradepferd Deckung. »Über Rechtsaußen und Kreis bekommen wir zu viele Tore.« Um zum Abschluss immer noch nicht so Recht zu verstehen, was aktuell in Hüttenberg läuft. »Irre, wir sind Spitzenreiter in der 2. Liga. Das waren unfassbare sechs Monate. Was die Truppe geleistet hat. Und 1400 Zuschauer. Wahnsinn! Gänsehaut pur! Wir fahren nun am 1. Februar nach Lübbecke zum Spiel Erster gegen Zweiter«, ließ der 39-Jährige schmunzelnd bereits den Blick in die Zukunft zum Vorrunden-Abschluss schweifen. Doch erst einmal sollte die Mannschaft und das Umfeld das Momentum genießen. Verdient haben sie es sich auf alle Fälle.

TV Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (7), Sklenák, Wörner, Lambrecht (2), Wernig (4/2), Rompf (3), Zörb, Fernandes (5), Jóhannsson (5), Roth, Mappes (4/1), Hofmann.

DJK Rimpar Wölfe: Wieser, Brustmann; Kraus, Schmitt, Schörnig (4), Bötsch (4), Schäffer, Schmidt (9/5), Kaufmann (3), Siegler (1), Bauer (2), Herth (3), Sauer (4).

Im Stenogramm: SR: Köppl/Regner (Bingen) – Zuschauer: 1404 – Zeitstrafen: 6 – 8 (Strafminuten) – Disqualifikation: Kraus (DJK/14.) – Siebenmeter: 2/2 – 5/5.


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