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Konstanz spricht für Hüttenberg

Gießener Allgemeine Zeitung

Samstag, den 28. Januar 2017 um 14:03 Uhr

Der TV 05/07 Hüttenberg begeistert und elektrisiert. Am kommenden Mittwoch steht für den Handball-Zweitligisten direkt nach der WM-Pause der Hit beim Titelfavoriten TuS N-Lübbecke an. Die punktgleichen Spitzenteams fiebern der Partie entgegen. Der neue Handball-Weltmeister der Männer wird morgen gekürt. Leider allerdings ohne Beteiligung der deutschen Mannschaft, die bekanntlich mit hohen Ambitionen nach Frankreich gereist war, allerdings mit dem bitteren Achtelfinal-Aus gegen Katar eine Bruchlandung erlebte nach der Euphorie nach EM-Gold und Olympia-Bronze.

Zeit also, um sich wieder den heimischen Aushängeschildern zu widmen, die sich aufgrund der WM in der Pause befanden. Denn da geht es gleich richtig los. Zum Abschluss der Vorrunde eröffnet Sensations-Spitzenreiter TV 05/07 Hüttenberg am Mittwoch als Gast beim gleichauf liegenden Erstliga-Absteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke das Zweitliga-Handballjahr 2017. Zeit also, um schon einmal einen Blick voraus zu wagen.

Wie lief die Vorbereitung? Holprig, und zwar bei beiden Mannschaften. Zuerst mussten die Blau-Roten beim Testspiel bei Klassenkonkurrent Rimpar eine 32:34-Niederlage hinnehmen. Der 43:18-Sieg gegen den Drittligisten MSG Groß-Umstadt am Mittwoch litt dann etwas darunter, dass bei den Gästen krankheitsbedingt etliche Akteure fehlten, und mutierte so fast zu einem Muster ohne Wert. Ein Lichtblick dabei war allerdings das Comeback von Rückraumspieler Maximilian Kraushaar nach über einem Jahr und mehreren schweren Knieverletzungen. Aber auch Nettelstedt musste seine Planungen umwerfen. Krankheitsbedingt kam die Teilnahme am Benthack-Handball-Cup des HSV Hamburg Mitte Januar nicht zustande. Gegen den Liga-Rivalen ASV Hamm-Westfalen, den aktuell 16., setzte es eine 25:26-Niederlage. TuS-Trainer Aaron Ziercke musste zudem in den letzten Wochen auf etliche Leistungsträger verzichten. So kam Lukas Gierak geknickt von der WM zurück, da er mit der polnischen Nationalmannschaft überraschend bereits in der Vorrunde scheiterte. Auch Tim Remer weilte bei der niederländischen Nationalmannschaft. Zudem fehlten immer wieder Spieler krankheitsbedingt, so dass Trainer Ziercke im Training selten sechs gegen sechs spielen konnte.

Sind bei beiden Mannschaften alle Spieler einsatzbereit? Der TV Hüttenberg bangt um seinen Rückraumrechten Ragnar Jóhannsson. Ein Muskelfaserriß in der linken Wade zwang ihn bisher zum pausieren. Dementsprechend hat er Trainingsrückstand. Trotzdem hofft man beim TVH auf seinen Einsatz, da ansonsten die beiden Linkshänder-Positionen nur noch mit Jan Wörner und Daniel Wernig einfach besetzt wären. Nettelstedt wird auf den gesperrten Nils Torbrügge verzichten müssen.

Wie sind die Voraussetzungen? »Wir fahren ohne jeglichen Druck nach Nettelstedt.« schiebt der sportliche Leiter des TV 05/05, Torsten Menges, die Favoritenrolle klar an den Bundesliga-Absteiger. Dass man nach der Hälfte der Spielzeit an der Tabellenspitze steht, hat auch im Handkäsedorf keiner erwartet. Zwar hat Nettelstedt im Sommer den Kader verschlankt, doch ist dieser hochkarätig und international besetzt, so dass die Einschätzung von Menges verständlich ist.

Wie ist die Formkurve? Das ist nach knapp fünf spielfreien Wochen eine spannende Frage. Vor der WM-Pause hatte hier der Zweitliga-Rückkehrer aus Mittelhessen die Nase vorn. Auf einer nicht endend wollenden Erfolgswelle schwimmend, blieb die Mannschaft von Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson zuletzt neun Spiele in Serie ungeschlagen. Eine gleiche Serie haben auch die Mittwoch-Gastgeber vorzuweisen. Diese allerdings schon nach dem dritten Spieltag nach der Niederlage in Nordhorn. Die Tabellenführung verspielte die Mannschaft von Trainer Aaron Ziercke dann völlig überraschend einen Tag vor Heiligabend, als man beim Tabellenletzten Empor Rostock verlor und dieses Negativerlebnis mit in die spielfreie Zeit nahm. Zu Hause ist Nettelstedt noch verlustpunktfrei. Allerdings kommt mit dem TVH auch die bisher beste Auswärtsmannschaft.

Ist Hüttenberg auf Aufstiegskurs? Nach 18 Spieltagen haben die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim schon fünf Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Aufstiegsplatz. Und haben bisher durch eine erstaunliche Leistungskonstanz überzeugt und überrascht. Aber: »Diese Frage ist eigentlich wahnsinnig«, hatte Eyjólfsson nach der letzten Partie im alten Jahr gesagt. »Das ist utopisch. Ich kann mich mit dieser Frage noch nicht beschäftigen«, fühlt sich der 39-Jährige noch immer wie im Märchen. Und auch der Sportliche Leiter Torsten Menges bläst ins gleiche Horn. »Wir haben noch 20 Spiele. Da kann noch so viel passieren. Ich denke noch gar nicht an Aufstieg.« Auch innerhalb der Mannschaft bleibt man auf dem Boden. »In der Rückrunde kennen uns die Mannschaften besser und wissen wie sie gegen uns spielen müssen«, stuft Rechtsaußen Daniel Wernig die Restrunde schwerer ein. Vielleicht am treffendsten kommentierte Linkshänder Ragnar Jóhannsson in seiner trockenen Art die Tabellenführung des TVH. »Unglaublich!«


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