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Ritschel-Parade ins Glück

Gießener Allgemeine Zeitung

Montag, den 20. Februar 2017 um 10:51 Uhr

Kapitän hält das Hüttenberger Zweitliga-28:27 über Ferndorf fest – Mappes trifft zehnmal

(mro). Dramatische Schlussphase am Sonntag Abend im Sportzentrum Hüttenberg beim Derby in der 2. Handball-Bundesliga gegen den TuS Ferndorf. Denn nach dem 28:27-Siegtreffer für die Hausherren bereits in der 57. Minute durch Rechtsaußen Daniel Wernig verhinderten auf der einen Seite technische Fehler von Ragnar Jóhannsson und Daniel Wernig die Entscheidung. Eine starke Fußabwehr von TVH-Kapitän Matthias Ritschel und der erste Fehlwurf des bis dahin so treffsicheren Ferndorfer Linksaußen Daniel Mestrum sorgten andererseits für das finale Showdown nur vier Sekunden vor dem Abpfiff. Gäste-Akteur Julian Schneider übernahm die Verantwortung vom Siebenmeterpunkt gegen Torhüter Ritschel, der zuvor schon zweimal Sieger im Duell war. Der von Schneider geworfene Ball landete zwar nur an der Latte, von dort aber direkt in den Händen von Jort Neuteboom, der frei am Kreis zum Schuss kam. Doch Teufelskerl Matthias Ritschel entschärfte das Geschoss, hielt den Sieg fest und wurde kurz darauf von seinen Mannschaftskollegen in einer Jubeltraube begraben.

»Ich habe mich einfach nur möglichst groß gemacht und bin getroffen worden«, wollte der 30-Jährige direkt nach dem Abpfiff das von allen Seiten auf ihn einprasselnde Lob nicht überbewerten und schon gar nicht als Weltklasse-Parade in den Himmel gehoben haben. Denn er wusste nur zu gut, dass es ein hartes Stück Arbeit zu einem am Ende vielleicht auch etwas glücklichen Sieg war. »Das war ein absoluter Abnutzungskampf zweier am Freitag enttäuschter Mannschaften. Zudem in der ersten Halbzeit ohne Abwehr auf beiden Seiten«, lautete seine Einschätzung.

Die nach dem 3:3 und des bereits zweiten Treffers des am Freitag in Konstanz noch wegen eines fiebrigen Infekt ausgefallenen Ragnar Jóhannsson erst einmal zu den Gästen kippte. Der Isländer hatte sich bei seinem Tor einen Finger an der rechten Hand ausgekugelt und Moritz Lambrecht musste zudem auf die Strafbank. Dies nutzten die Gäste vermehrt über ihre Außenpositionen, um in der 14. Minute durch Mestrum mit 9:6 in Front zu sein. Jóhannsson kam aber nach Behandlung zurück und der TVH kämpfte sich wieder heran. Speziell Dominik Mappes war in der Schlussphase der ersten Hälfte nicht zu stoppen und markierte die letzten vier Treffer für sein Team, dass dadurch mit einer knappen 17:16-Führung in die Kabinen ging. »Die etwas offenere Deckung hat mir gut gelegen«, kommentierte der 22-jährige Rückraumakteur diese Phase.

Aus der Kabine kamen die Blau-Roten wie der Wirbelwind und zogen sofort auf 20:16 durch einen sehenswerten hohen Dreher von Daniel Wernig trotz Bedrängnis weg. Ferndorf konterte zum Anschluss, ehe Tomáš Sklenák in der 40. Minute die Hausherren wieder auf 24:20 wegziehen ließ. Hüttenberg nutzte aber das Momentum der zusätzlich noch zwei vergebenen Strafwürfe der Gäste nicht, sondern musste offenbar nun auch den Strapazen des Doppelspieltages Tribut zollen.

Ungewohnte Angriffsfehler, die Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson allerdings auch schon in Konstanz bemängelt hatte, verhinderten die Entscheidung. So bestrafte Ferndorfs Julian Schneider in der 56. Minute mit dem 27:27-Ausgleich unter anderem eine von Kreisläufer Mario Fernandes vergebene Großchance, ehe er nach Wernigs Tor in den letzten Spielsekunden dann auch Nerven zeigte und den Ball nicht mehr an Matthias Ritschel im Hüttenberger Tor vorbei bringen konnte.

Entsprechend erleichtert war TVH-Trainer Eyjólfsson nach Spielende. »Das war ein kräftezehrendes Wochenende mit einem sehr enttäuschenden Ergebnis in Konstanz. Daher bin ich glücklich, dass uns ›Ritschi‹ nun zum zweiten Mal hintereinander zu Hause gerettet hat. Vielleicht habe ich auch Tim Stefan und Sebastian Roth in der zweiten Halbzeit zu lange draußen gelassen«, gab sich der Familienvater selbstkritisch. Und lobte seinen Landsmann Jóhannsson. »Ragnar ist total fertig nach dem Fieber. Er hat sich für die Mannschaft geopfert.«

Zumindest morgen dürfen seine Jungs aber durchschnaufen, ehe der Isländer auch mit viel Taktiktraining seine Mannschaft kräftemäßig regenerieren lassen will und gleichzeitig auf die nächsten zwei schweren Aufgaben in Nordhorn und zu Hause gegen Bad Schwartau vorbereiten wird.

Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (1), Sklenák (1), Wörner, Lambrecht (2), Wernig (2), Rompf (4), Zörb, Fernandes (2), Jóhannsson (4), Roth (2), Mappes (10/2), Hofmann.

Ferndorf: Rottschäfer; John, Stojcevski (2), Lucas Schneider (5/4), Celestin, Neuteboom (1), Heyme (1), Volentics (5), Julian Schneider (6), Kastening, Mestrum (6), Brauer (1), Sartisson.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: vom Dorff/vom Dorff (Kaarst). – Zuschauer: 996. – Zeitstrafen: 6:6 Minuten. - Siebenmeter: 2/2:7/4.


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