Drucken

Mit Kreativität und Leichtigkeit

Gießener Allgemeine Zeitung

Montag, den 27. Februar 2017 um 08:47 Uhr

Hüttenberg 29:29 in Nordhorn – Achse Mappes-Fernandes überragend

Von Markus Röhrsheim. Punktgewinn oder Punktverlust? Aðalsteinn Eyjólfsson, Trainer von Handball-Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg, tat sich am Samstagabend nach dem 29:29 (13:16) bei der HSG Nordhorn/Lingen etwas schwer mit der Einordnung. Dafür wusste er um so besser, dass er gerade »ein sehr, sehr gutes Spiel zweier hochwertiger Zweitliga-Mannschaften« gesehen hatte. »Nur Kleinigkeiten haben zum Sieg gefehlt. Für meinen Geschmack durfte Patrick Miedema manchmal zu viele Schritte machen. Aber in Nordhorn zu punkten, schaffen nicht viele.«

Die Gäste fanden gut ins Spiel. Nach dem ersten Tagestreffer von Dominik Mappes entschärfte TVH-Kapitän Matthias Ritschel gleich den Strafwurf von Lasse Seidel. Und ermöglichte damit die 4:2-Führung nach acht Minuten durch Hüttenbergs Halblinken Tim Stefan. Doch die Hausherren, voller Selbstbewusstsein nach dem Sieg bei Spitzenreiter TuS Nettelstedt-Lübbecke und zudem mit der Gewissheit ins Spiel gegangen, dass nur ein weiterer Sieg nicht den Kontakt zu den Aufstiegsplätzen abreißen lässt, glichen in der zehnten Minute durch ihren Shooter Jens Wiese erstmals zum 4:4 aus. Und sie konnten nur vier Minuten später beim 8:7 die erste Führung bejubeln, als Rechtsaußen Yannick Fraatz, Sohn von Jochen »Scholle« Fraatz, dem immer noch drittbesten Bundesliga-Torschützen, traf. Stefans bereits viertes Tor zum 8:8 konnte nicht verhindern, dass die HSG nur kurz darauf beim 10:8 erstmals mit zwei Toren in Front ging. Auch, da Daniel Wernig einen Siebenmeter nicht an Björn Buhrmester vorbei im Nordhorner Gehäuse unterbringen konnte. »Mit ihm hatten wir in der ersten Halbzeit doch ein paar Probleme«, war der Isländer auf der Hüttenberger Bank nicht ganz zufrieden mit der Chancenverwertung in dieser Phase. Doch die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim konterten zum 11:11 durch abermals Mappes in der 20. Minute und waren auch beim 12:13 durch Kreisläufer Moritz Lambrecht noch dran. Danach sorgte aber eine kurze Flaute im Hüttenberger Angriff dafür, dass die Gastgeber durch ihren Halbrechten Patrick Miedema auf 16:12 wegziehen konnten, ehe Sebastian Roth die Harzkugel zum 13:16-Pausenstand ins Norhorner Netz wuchtete.

Stefan sichert den Punkt

Aus der Kabine kam die Mannschaft von Trainer Eyjólfsson mit Fabian Schomburg im Tor. Und der 25-Jährige führte sich gleich mit einigen starken Paraden gut ein. So konnten die Gäste den 13:17-Rückstand nach Wieses Treffer beim 18:19 in der 38. Minute durch Ragnar Jóhannsson fast wieder egalisieren. Beim 20:20 durch Mittelmann Mappes war es so weit, und der Rechtshänder ließ auch gleich noch das 21:20 folgen, womit der TVH nach einer halben Stunde wieder die Führung übernahm. Und diese sogar zum 25:23 nach einem Tor des insgesamt sechsmal erfolgreichen Mario Fernandes ausbauen konnte. »Die Achse Dominik Mappes-Mario Fernandes war überragend. Das war ein richtig gutes Level. Ich habe viele positive spielerische Aspekte gesehen«, sagte ein zufriedener Eyjólfsson. Doch Nordhorn kam zurück, glich durch Pavel Mickal und den zehnfachen Torschützen Miedema zum 25:25 aus (53.) und läutete damit eine dramatische Schlussphase ein. In der die Mittelhessen durch Wernig und erneut Fernandes vorlegten, Nordhorn aber sofort wieder ausglich. Nach einer Hüttenberger Auszeit brachte dann Miedema (56.) seine Farben wieder in Front. Doch der nevenstarke Mappes konterte im Duell um den Titel des Topscorers vom Siebenmeterpunkt nur eine Minute später. Auch das 29:28 für Nordhorn durch Fraatz bedeutete noch nicht die Entscheidung, da Stefan mit seinem Tor 60 Sekunden vor dem Abpfiff für die Blau-Roten die letzlich verdiente Punkteteilung sicherte.

Trotz des Unentschiedens verteidigt der TVH Aufstiegsplatz zwei vor der kommenden schweren Heimaufgabe gegen den VfL Bad Schwartau. Der nur vier Punkte schlechter platzierte Tabellenfünfte verlor die Spitzenbegegnung gegen den Tabellendritten SG BBM Bietigheim und ist daher am Samstag in Hüttenberg schon etwas unter Zugzwang. Eyjólfsson sieht seine Mannschaft dafür gut gerüstet. »Mich hat sehr gefreut, dass wir wieder die Emotionen, die Kreativität und die Leichtigkeit gezeigt haben. Das war die Mannschaft der Hinrunde.«

HSG Nordhorn-Lingen: Kaleun, Buhrmester; Wilmsen, Mickal (4/3), Miedema (10), Meyer (3), Fraatz (3), Rooba, Terwolbeck, de Boer, Wiese (6), Madsen, Seidel (3).

TV Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (5), Sklenák (1), Wörner, Lambrecht (1), Wernig (1), Rompf (1), Zörb, Fernandes (6), Jóhannsson (1), Roth (1), Mappes (11/5), Hofmann (1).

Im Stenogramm: SR: Dinges/Kirsch (Eggenstein/Leopoldshafen). – Zuschauer: 1788. – Zeitstrafen: 4:4 Minuten. – Siebenmeter: 4/3:6/5.


0