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Sklenák macht den Deckel drauf

Gießener Allgemeine Zeitung

Montag, den 06. März 2017 um 17:43 Uhr

Der TV 05/07 Hüttenberg gewinnt die Abwehrschlacht gegen den VfL Bad Schwartau mit 25:23 und freut sich über Patzer der Zweitliga-Konkurrenz im Aufstiegsrennen.

Markus Röhrsheim. Der TV 05/07 Hüttenberg steuert dem Aufstieg in die Handball-Bundesliga entgegen. Distanzierte man am Samstagabend mit dem 25:23-Heimsieg den Tabellenfünften VfL Bad Schwartau schon auf sechs Punkte, so patzte auch noch zeitgleich die Konkurrenz aus Rimpar und Eisenach überraschend, so dass der TVH nach dem 24. Spieltag mit vier Punkten Vorsprung auf Rang vier weiter den zweiten Tabellenplatz verteidigt. Vierstellige Zuschauerzahl, klasse Abwehrleistung – Hüttenbergs Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson musste also zufrieden sein. Und war es auch. »Alles, über das ich mich zuletzt beschwert habe, ist heute gut gelaufen. Vielen Dank auch an die Zuschauer. Sie dürfen aber auch bei den nächsten Spielen immer noch jemand mitbringen.«

Denn noch war Platz im Sportzentrum Hüttenberg, auch wenn die Stimmung nur schwer zu toppen sein wird. Nachdem Fabian Schomburg etwas mehr als drei Minuten vor dem Ende beim Stand von 24:20 einen Strafwurf von Sebastian Damm cool entschärfte, stand die Halle geschlossen auf und feierte den nächsten Heimsieg. Den zwar ein Fehlwurf und ein Ballverlust von Ragnar Jóhannsson noch einmal kurzfristig in Frage stellten. Doch Routinier Tomáš Sklenák behielt gegen die sich nun öffnende Gäste-Deckung die Nerven und machte mit seinem Treffer zum 25:22 schließlich den Deckel drauf.

»Ich wollte einfach nur das Tor machen. Wie gesagt, es ist egal wer spielt«, strahlte der seit Donnerstag 35-Jährige im Kreise einiger Eisenacher Fans, die ihren »alten« Liebling mal wieder in seiner neuen Heimat besuchten, trotz nur wenigen Einsatzminuten.

»Der Hüttenberger Erfolg ist verdient. Sie waren in den entscheidenden Momenten cleverer«, zeigte sich Gäste-Trainer Torge Greve als fairer Verlierer. »Das war ein Riesen-Fight zweier Mannschaften auf Augenhöhe. Der Schlüssel zum Erfolg war, dass Hüttenberg heute die Eins-gegen-eins-Duelle gewonnen hat. Im Hinspiel war es noch anders.« Weshalb er in der zweiten Halbzeit alles versuchte. Sowohl der siebte Feldspieler, um diese Duelle zu umgehen, als auch der Torwartwechsel – Hüne Dennis Klockmann heraus und später wieder rein – konnten den Hüttenberger Sieg nicht verhindern.

Die gut 1100 Zuschauer sahen die erwartet ausgeglichene Partie, in der die Hausherren, ausgestattet mit der entsprechenden Körpersprache, zurück zu ihrer gewohnt starken Deckungsleistung fanden. »Wir haben die Schwachpunkte der letzten Wochen analysiert und angesprochen. Heute ist die Aggressivität von den entsprechenden Personen gekommen, die ich sehen wollte. Das war heute ein Charaktersieg«, gab der isländische TVH-Coach zu Protokoll.

Zwar hatte man anfangs etwas Probleme gegen die Bad Schwartauer Halblinken Jan Schult und Oliver Milde, die bis zur 6:5-Gästeführung in der zwölften Minute schon viermal getroffen hatten. Doch der TVH nutzte eine Überzahl, um durch Tore von Dominik Mappes und Daniel Wernig, der im Tempogegenstoß von der Übersicht von Mappes profitierte, nach einer Viertelstunde wieder in Front zu gehen. Und diese Führung bis zum Spielende auch nicht mehr aus der Hand gab. Besonders sehenswert dabei das 10:8 von Rückraum-Kanonier Tim Stefan, der ansatzlos aus der Hüfte ins lange Eck vollstreckte, und das 13:11 durch abermals Mappes (29.) nach einem tollen Kempa-Trick mit Daniel Wernig. Moritz Lambrecht besorgte schließlich kurz vor dem Pausenpfiff die 14:11-Führung.

Auch nach Wiederbeginn dominierten die Deckungsreihen und Bad Schwartau blieb durch die eine oder andere Unentschlossenheit im Angriff der Blau-Roten weiter in Schlagweite. Selbst das 18:15 durch Jan Wörner, der in der zweiten Welle von Rechtsaußen gegen Klockmann abgeklärt verwandelte (41.), brachte nur kurz etwas Sicherheit. Denn die Marmeladestädter wollten ihre vielleicht letzte Chance im Aufstiegsrennen nutzen und fighteten zurück. Beim 20:21-Anschlusstreffer in der 52. Minute, als der Halbrechte Toni Podpolinski eine Überzahl durch den siebten Feldspieler nutzte, waren die Gäste immer noch dran, konnten aber nicht ausgleichen.

Doch dann ließen Tore von Ragnar Jóhannsson, der sich durchtankte, Daniel Wernig im erweiterten Gegenstoß und abermals Jóhannsson den TVH entscheidend auf 24:20 enteilen und einen umkämpften Sieg nach Hause bringen. »Heute hatten wir die Emotionen, die den TV Hüttenberg in der Vergangenheit stark gemacht haben«, lautet das Abschluss-Statement von Eyjolfsson. Und Fabian Schomburg ergänzte kurz und prägnant. »Das war ein brutales Gefühl heute.« Die zufriedenen 1100 Zuschauer werden dem nur beipflichten können und finden sicherlich wieder den Weg ins Sportzentrum Hüttenberg.

Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (4), Sklenák (1), Wörner (2), Lambrecht (3), Wernig (2), Rompf, Zörb, Fernandes (1), Jóhannsson (4), Roth, Mappes (7/3), Hofmann (1).

Bad Schwartau: Mallwitz, Klockmann; Glabisch (1), Milde (5), Podpolinski (4), Ranke (1), Waschul, Schult (3), Damm (4/1), Fuchs (1), Claasen (2), Wischniewski, Schlichting (1), Metzner (1).

Stenogramm / SR.: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen). – Zus.: 1103. – Zeitstrafen: 12:8 Minuten. - Siebenmeter: 3/3:2/1.


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