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Lange Zeit dominiert

Gießener Allgemeine Zeitung

Montag, den 03. April 2017 um 15:06 Uhr

TV Hüttenberg muss sich gegen Friesenheim mit 26:26 begnügen

(mro). Punktverlust oder Punktgewinn? Diese Frage stellte sich am Samstagabend im Sportzentrum Hüttenberg nach dem 26:26 (13:10)-Unentschieden des gastgebenden TV 05/07 gegen die TSG Ludwigshafen-Friesenheim. TVH-Kapitän Matthias Ritschel hatte es schnell bewertet. »Das ist ein gerechtes Ergebnis. Ich freue mich über einen Punktgewinn und eine wieder geile Stimmung in der Halle. Wenn wir zwar als Tabellenzweiter, aber immer auch noch Aufsteiger, gegen den Fünften Unentschieden spielen gibt es keinen Grund sich zu ärgern«, bewertete der Torhüter die Partie. Sein Mannschaftskollege Sebastian Roth dagegen gab nach dem Spiel gegen seine ehemalige Mannschaft zu. »Im Moment fühlt es sich schlecht an, da wir immer geführt haben. Der Stolz auf den einen Punkt kommt vielleicht erst ein wenig später.« Am treffendsten kommentierte vielleicht Gäste-Trainer Benjamin Matschke die Punkteteilung. »Es wäre schon brutal gewesen, wenn wir nur einmal im Spiel führen und damit das Spiel gewinnen.«

Denn die Blau-Roten hatten in einer von beiden Seiten intensiv und kämpferisch auf hohem Niveau geführten Begegnung von Beginn an die Nase vorne. Auch, da die Friesenheimer gleich zu Beginn zwei Siebenmeter nicht nutzen konnte und es so bis zur fünften Minute dauerte, ehe Kreisläufer Mario Fernandes den ersten Tagestreffer markieren konnte. Die Hausherren legten durch den erneut starken Dominik Mappes und Sebastian Roth nach, ehe dem Gäste-Halblinken Gunnar Dietrich in der zehnten Minute der erste Treffer für die »Eulen« gelang.

»In den ersten 30 Minuten war unsere Deckung überragend. Jeder hat jedem geholfen«, war TVH-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson sehr zufrieden. Denn ab Mitte des ersten Abschnittes hielt man den Gegner immer mit zwei, drei Treffern auf Distanz. So konnte der ansonsten recht blasse Ragnar Jóhannsson nach einem starken Wackler in der 16. Minute zum 9:6 einwerfen und das 10:7 durch Tim Stefan nur eine Minute später nötigte Gäste-Coach Matzke zur Auszeit. Doch auch seine Deckungsumstellung auf eine 5+1-Deckung fruchtete nicht so richtig. Die Parade von Matthias Ritschel in der 20. Minute, erneut gegen Philipp Grimm, war bereits Strafwurf Nummer drei, den die Gäste nicht nutzen konnten.

Aber auch die Blau-Roten gingen nun etwas fahrlässiger mit ihren Einwurfmöglichkeiten um. So blieb Dominik Mappes im Siebenmeter-Duell mit Mathias Lenz nur zweiter Sieger, und der Gäste-Keeper glänzte auch kurz vor der Pausensirene mit einer Tempogegenstoß-Parade gegen Tim Stefan. Somit ging es aus Hüttenberger Sicht nur mit einem 13:10-Vorsprung in die Kabinen, nachdem Daniel Wernig nach einer starken Finte auf Rückraum-Mitte getroffen hatte.

Die Gastgeber trauerten den vergebenen Chancen jedoch zunächst nicht nach, sondern hielten weiter das Heft fest in der Hand. Das 15:11 in Überzahl durch einen hohen Dreher von Rechtsaußen Daniel Wernig bedeutete fünf Minuten nach Wiederanpfiff die erste Vier-Tore-Führung. Friesenheim konnte in dieser Phase nur durch den starken, insgesamt achtmal erfolgreichen Halbrechten David Schmidt dagegenhalten, vor dem Eyjólfsson im Vorfeld gewarnt hatte. »Hier müssen wir uns steigern, dass wir gegen so individual starke Spieler besser verteidigen«, bemängelte der Isländer nach dem Schlusspfiff. Trotz der Schmidt-Treffer konnte man zunächst den Vorsprung verteidigen, und Mario Fernandes verwandelte völlig frei von der Kreismitte zum 18:14 (42.).

Friesenheim stellte nun erneut auf die offensivere Deckungsvariante um, störte damit nun den müder werdenden TVH-Angriff, dem man anmerkte, dass mit den verletzten Tomáš Sklenák und Jan Wörner zwei wichtige Pfeiler in der Rotation fehlten. So kamen die Gäste mit dem zweiten Treffer ihres Keepers Lenz, der erstmals in dieser Saison bestrafte, dass Hüttenberg bei eigener Unterzahl den Torhüter zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Platz nimmt, zum ersten Anschluss (19:20 in der 47. Minute). Die Hausherren konterten aber durch einen Doppelschlag von Wernig sofort und waren auch beim 23:20 durch Mappes, erzielt per Kempa-Trick auf Zuspiel von Wernig, neun Minuten vor dem Ende noch in der Spur. Doch den Handballern aus Hochelheim und Hörnsheim fehlte in der Schlussphase im Angriff die Zielstrebigkeit und die Dynamik. Dies bestraften die Gäste in Person von Spielmacher Alexander Feld, der zunächst einen Freiwurf direkt durch die löchrige TVH-Mauer, die bei drohendem Zeitspiel mit einem Abspiel gerechnet hatte, zum ersten Ausgleich (57.) verwandelte. Und auch die erneute Hüttenberger Führung durch Wernig, der ein Siebenmeter-Geschenk der alles in allem sehr unsicher leitenden Unparteiischen zum 26:25 annahm, konterte die Friesenheimer Nummer 18 eineinhalb Minuten vor dem Ende mit dem Treffer zum 26:26-Endstand. Denn Sebastian Roths Wurf verfehlte bei drohendem Zeitspiel aus einer nicht optimalen Wurfposition sein Ziel. Doch die aufopferungsvoll kämpfende Defensive ließ auch Friesenheim in den verbleibenden 40 Sekunden nicht mehr zum Abschluss kommen, sodass der TV Hüttenberg seinen zweiten Tabellenplatz und weiter auch sechs Punkte Vorsprung auf die Friesenheimer verteidigte.

TV Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (3), Lambrecht, Wernig (7/1), Rompf, Zörb (1), Fernandes (3), Jóhannsson (2), Roth (1), Mappes (8/2), Hofmann (1), Semmelroth.

TSG Ludwigshafen-Friesenheim: Roepcke, Lenz (2); Grimm (2/1), Dietrich (4), Haider, Hess, Feld (2), Remmlinger (1), Falk (3), Durak (2/2), Djozic, Weber (2), Dippe, Schmidt (8).

Im Stenogramm / SR: Behrens/Fasthoff (Neuss). – Zuschauer: 1099. – Zeitstrafen: 12: 12 Minuten. – Siebenmeter: 5/3 – 6/3.


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