Drucken

Nächste Ausfahrt Wilhelmshaven

Gießener Allgemeine Zeitung

Freitag, den 07. April 2017 um 07:28 Uhr

TV 05/07 Hüttenberg heute Abend ersatzgeschwächt an der Nordsee

Von Markus Röhrsheim. Bereits heute Abend geht der 29. Spieltag der 2. Handball-Bundesliga, aufgrund des Final Four in Hamburg komplett über die Bühne. Was für den Tabellenzweiten TV 05/07 Hüttenberg die weite Fahrt in den hohen Norden bedeutet, wo man um 20 Uhr in der Nordfrost Arena auf den gastgebenden Wilhelmshavener HV trifft. »Die komplette Liga kämpft entweder um den Aufstieg oder gegen den Abstieg. Daher ist jedes Spiel hart umkämpft«, hatte TVH-Kapitän Matthias Ritschel nach der letztwöchigen Partie gegen Ludwigshafen-Friesenheim zu Protokoll gegeben und damit darauf verwiesen, dass es in der Liga, in der jeder jeden schlagen kann, keine Spiele gibt, in denen man nicht zu 100 Prozent gefordert wird.

Und so wird es auch in Wilhelmshaven sein, rangieren doch die Gastgeber aktuell auf Rang 15 und damit mit nur zwei Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz in höchster Gefahr. So dass also der TVH, ob er will oder nicht, aufgrund der Ausgangssituation als Favorit in diese Begegnung geht. »Unsere Entwicklung ist so rasant. Wir werden mittlerweile als Top-Mannschaft eingestuft«, schüttelte Rückraumspieler Sebastian Roth in der Pressekonferenz am letzten Samstag fast ungläubig den Kopf, als Friesenheims Trainer Benjamin Matschke fast euphorisch schwärmte. »Ein Riesenlob an meinen Kollegen, aber auch das Umfeld, was ihr mit dieser jungen Truppe leistet und aufgestellt habt seit dem Aufstieg aus der 3. Liga.«

Doch Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson weiß nur zu gut, dass sich seine Mannschaft in jedem Spiel wieder alles hart erarbeiten muss, weshalb er natürlich vor dem Gegner warnt. »Das ist eine eingespielte Mannschaft, die speziell im Positionsangriff brandgefährlich ist. Zudem stellen sie eine sehr bewegliche 6:0-Deckung, gegen die wir geduldig agieren und konzentriert abschließen müssen. Denn mit Kay Smits und Lukas Mertens hat Wilhelmshaven sehr starke Konterspieler. Wir müssen mit allen Mann verhindern, dass sie in die Tempogegenstöße kommen.«

Wichtig dürfte in dieser Woche, neben der taktischen Vorbereitung auf das Spiel in Wilhelmshaven, aber sicherlich auch die Regeneration gewesen sein. Denn durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Tomáš Sklenák (Muskelfasserriss im Oberschenkel) und Jan Wörner (Bänderriss im Knöchel) fehlen dem isländischen Trainer zwei wichtige personelle Alternativen. »Dominik Mappes ist selber angeschlagen am Fuß und konnte keine Auszeit bekommen. Trotzdem hat er wieder ein gutes Spiel gemacht«, hatte ›Adli‹ nach der letzten Partie festgestellt. Und auch sein Landsmann auf Halbrechts, Ragnar Jóhannsson, hatte nicht seinen besten Tag erwischt, doch auch sein Backup stand und steht weiter auf der Ausfallliste. Trotz dieser personellen Handicaps zog Eyjolfsson nach der Friesenheim-Partie den Hut vor seiner Mannschaft. »Das war ein intensives und kämpferisches Spiel. Ich bin sehr stolz auf die Leistung und die Moral der Jungs.«

Speziell die in der ersten Halbzeit überragende Deckungsarbeit wird auch heute Abend wieder gefordert sein bei einem Gegner, der zu den offensivstärksten der Liga gehört und sogar bisher mehr Tore erzielt hat als der Rangvierte und Aufstiegskonkurrent der Hüttenberger, die Rimpar Wölfe, die den Tabellenführer TuS Nettelstedt-Lübbecke zum Spitzenspiel empfangen. Heute Abend steht zudem Jannik Hofmann auf der Ausfallliste. Der Linksaußen wurde nach einem Arbeitsunfall an der Hand genäht und fällt für zwei Wochen aus. Dafür rückt Max Panther aus der zweiten Mannschaft in den Kader und Wörner und Sklenák werden erneut durch Markus Semmelroth und Maximilian Kraushaar ersetzt.

Schon im Hinspiel mussten sich die Handballer aus der Handkäsemetropole mächtig strecken, um durch einen Treffer von Tim Stefan in der Schlusssekunde den knappen 27:26-Sieg unter Dach und Fach zu bringen. Eine ähnliche Sternstunde des Halblinken, der im Oktober insgesamt neun Treffer zum Sieg beitrug, würde die Erfolgsaussichten im hohen Norden sicherlich erhöhen.

Dazu muss aber die Hüttenberger Deckung wieder so bärenstark stehen wie in der ersten Halbzeit am letzten Samstag. Zumindest muss sie kein Auge auf Linkshänder René Drechsler werfen, der im Hinspiel mit seinen elf Treffern Willhelmshaven bis zum Schluss im Rennen hielt, aufgrund eines Kreuzbandrisses aber ausfällt. Dennoch muss weiterhin auch gegen die halbrechte Angriffsposition stark verteidigt werden. »Kay Smits hat sich in den letzten Wochen dort sehr stark in den Vordergrund gespielt«, hat der isländische TVH-Coach analysiert. Und warnt zudem vor Tobias Schwolow. »Er ist ein sehr gefährlicher Halblinker, der aber auch auf Rückraummitte spielen kann.«

Zudem gelten die Gastgeber als äußerst heimstark und können auf zuletzt sieben Heimsiege am Stück verweisen, die sie vom Tabellenende ein wenig nach vorne gebracht haben. Beim WHV plant man langfristig und hat daher den Vertrag mit Trainer Christian Köhrmann unter der Woche vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert.


0