Drucken

Sieg aus der Hand gegeben

Gießener Allgemeine Zeitung

Montag, den 22. Mai 2017 um 08:02 Uhr

TV Hüttenberg unterliegt in Eisenach 26:28 – Zu viele Chancen ausgelassen

Von Markus Röhrsheim. Der erste Auswärtssieg in diesem Jahr war zum Greifen nahe. Als der starke Sebastian Roth in der 52. Minute von halblinks zum 23:20 für den TV 05/07 Hüttenberg traf und damit seinen vierten Tagestreffer markierte, schien es so, als sollten die mittelhessischen Zweitliga-Handballer endlich wieder einmal in der Fremde jubeln dürfen. Doch letztlich blieben die Punkte beim 28:26 in Thüringen. Denn nicht nur die folgende Zeitstrafe gegen Christian Rompf brachte den ThSV Eisenach ins Spiel zurück. »Wir haben leider wieder zu viele gute Torchancen nicht verwertet: drei Siebenmeter und einige Tempogegenstöße. Dann wächst der Torhüter über sich hinaus, hält überragend und bringt die Halle ins Spiel. Das Publikum macht eine unfassbare Stimmung und wir haben uns davon beeindrucken lassen«, bilanzierte ein sichtlich geknickter TVH-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson.

Denn Eisenach kam in dieser Überzahlsituation wieder zum Anschlusstreffer durch Christopher Kaufmann und läutete damit eine dramatische Schlussphase ein. Zwar versuchte der TVH-Coach sofort mit einer Auszeit entgegenzusteuern, doch die Gastgeber knüpften kämpferisch mit großer Moral an die Vorwoche an, als man den Tabellenzweiten aus Bietigheim ebenfalls vor eigenem Publikum niedergerungen hatte. Rompf gelang noch einmal die 24:23-Führung (55.), doch der ThSV ließ sich auch von der Disqualifikation seines Abwehrchefs Nicolia Hansen nach der dritten Zeitstrafe nicht mehr aufhalten. Ein 4:0-Lauf zum 27:24 durch den starken Halbrechten Jonas Richardt entschied 50 Sekunden vor dem Schlusspfiff die Partie. Auch, weil Dominik Mappes bei noch drei Minuten Restspielzeit und einem Stand von 25:24 für Eisenach ebenfalls auf die Strafbank musste. »In der Endphase haben wir drei blöde Zeitstrafen bekommen«, stellte Eyjólfsson, der nur zu gerne an alter Wirkungsstätte gewonnen hätte, nach dem Schlusspfiff enttäuscht fest.

»Bessere Voraussetzungen für einen Sieg in Eisenach gibt es nicht,« wusste der Isländer auf der Hüttenberger Bank nur zu gut, dass die Gastgeber sieben Stammspieler auf der Verletztenliste zu beklagen hatten und in der Endphase sich auch noch Interims-Mittelmann Tomas Urban, der etatmäßige Rechts-außen, in das Lazarett verabschieden musste. Trotzdem war Eisenach besser ins Spiel gestartet und hatte ein 3:1 durch Nicolai Hansen nach sechs Minuten vorgelegt. Diese Führung drehten die Gäste aber schnell durch Tore von Moritz Lambrecht und zweimal Daniel Wernig zur 4:3-Führung (9.). Und eng ging es zunächst weiter, wobei Wernig in der 12. Minute die Chance zum 6:6-Ausgleich nicht nutzen konnte, als er mit einem Siebenmeter an Stanislav Gorobtschuk im Eisenacher Tor scheiterte. Der 29-Jährige entschied das Torhüterduell klar zu seinen Gunsten und war ein Sieggarant für die Mannschaft von Trainer Christoph Jauernik. Denn aufgrund seiner insgesamt 18 Paraden (gegen nur sechs des TVH-Gespannes Ritschel/Schomburg) reichten dem TVH 26 Auswärtstreffer nicht, um Zählbares mit auf die Heimreise zu nehmen. Zumal der Eisenacher Rückraum nach Belieben traf und die Thüringer beim 9:6 durch Urban in der 19. Minute erstmals mit drei Toren in Front lagen. Gegen Ende des ersten Abschnittes kamen die Gäste aber wieder heran, und der Treffer von Linkshänder Ragnar Jóhannsson (27.), bedeutete den 11:12-Anschluss.

Dieses Mal kamen die Blau-Roten besser aus der Kabine. Ein Doppelschlag von Wernig brachte die Führung zurück, die der TVH mit einem in seiner langjährigen Heimhalle gut Regie führenden Tomáš Sklenák beim 17:15 in der 38. Minute durch Kreisläufer Mario Fernandes erstmals auf zwei Tore ausbaute. Und Sklenák selbst war es, der in der 43. Minute sogar auf 19:16 erhöhte. »Danach hatten wir genügend Chancen, uns weiter abzusetzen«, trauerte Adli der Chance nach, in dieser Phase das Spiel zu entscheiden; obwohl auf der Gegenseite der Ex-Hüttenberger Matthias Gerlich »aus elf Metern getroffen hat, wie wer wollte« (Eyjólfsson). So sollte dem TVH nicht nur dieser Vorsprung, sondern auch das bereits erwähnte 23:20 nicht reichen, um aus Eisenach Zählbares mitzunehmen.

Diesen Nackenschlag gilt es für die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim möglichst schnell zu verarbeiten. Denn bereits am Mittwoch geht es zum Nachholspiel nach Rostock, wo man die Tabelle vor dem drittletzten Spieltag begradigt und mit einem Sieg wieder auf den zweiten Tabellenplatz in einem dicht gedrängten Feld von vier Aufstiegsaspiranten vorrücken kann.

Eisenach: Gorobtschuk, Brand; Iffert (1), Bogatzki, Wöhler, Gerlich (9/1), Hansen (1), Urban (5/1), Richardt (6), Holzner, Kaufmann (1), Lielais (2), Weyhrauch (3).

Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (1), Sklenák (5), Lambrecht (2), Wernig (5/2), Rompf (4), Zörb, Fernandes (3), Jóhannsson (2), Roth (4), Mappes, Hofmann, Semmelroth.

Im Stenogramm: SR: Grell/Piper (Hamburg/Kiel) – Z.: 1646 – Zeitstrafen: 16 – 12 (Strafminuten) – Disqualifikation: Hansen (ThSV/58. 3x2) – Siebenmeter: 3/2 – 5/2.


0