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In Rostock winkt Platz zwei

Gießener Allgemeine Zeitung

Mittwoch, den 24. Mai 2017 um 14:34 Uhr

Von Markus Röhrsheim. Die bittere Niederlage vom Samstag in Eisenach schnellstmöglich aus den Köpfen bekommen – diese Gelegenheit bietet sich Aðalsteinn Eyjólfsson und seiner Zweitliga-Mannschaft vom TV 05/07 Hüttenberg bereits heute Abend. Um 19.30 Uhr tritt man in der OSPA Arena als Gast des HC Empor Rostock an und begradigt mit diesem Nachholspiel die Tabelle.

Drei Spieltage vor Ende einer kräftezehrenden Mammutsaison mit insgesamt 38 Spielen müssen die Blau-Roten also noch eine englische Woche bestreiten, an deren Ende am Samstag die Heimpartie gegen den ebenfalls im Aufstiegsrennen steckenden Tabellenvordermann aus Bietigheim steht. Den man aber mit einem Sieg an der Ostsee ebenso in der Tabelle überflügeln kann wie die Rimpar Wölfe, den übernächsten TVH-Gegner. Rang zwei winkt also und für dieses Ziel müssen alle Kräfte erneut gebündelt werden bei den Handballern aus Hochelheim und Hörnsheim.

Denn an einen Selbstläufer beim Tabellenletzten glaubt der isländische TVH-Coach in keinem Fall. »Das wird kein einfaches Spiel. Rostock wird kämpfen wie immer. Das ist ein gefährlicher Gegner, der durch den bereits sicheren Abstieg keinen Druck hat. Wir dagegen stehen unter massivem Erfolgsdruck«, schätzt er die Ausgangslage als schwierig ein.

Zudem musste Eyjólfsson zuletzt feststellen, dass einige seiner Leistungsträger zur Unzeit etwas in ein Formtief gerutscht sind – sei es ob des Drucks, im Aufstiegsrennen nicht patzen zu dürfen, oder aber auch wegen der massiven Belastung einer langen Saison. »Raggi hat in Eisenach sicherlich nicht sein bestes Spiel gemacht«, hat der Trainer bei Landsmann Jóhannsson auf halbrechts erkannt. Denn dessen einfache Tore fehlen, vor allen, da sich die Sprunggelenksverletzung seines Backup Jan Wörner doch als schwerwiegender herausgestellt hat, sodass der Linkshänder im Saisonendspurt nicht mehr zur Verfügung stehen wird. »Aber auch Dominik Mappes merkt man an, dass er lange alleine in der Verantwortung stand. Und Daniel Wernig ist zurzeit etwas instabil«, sieht er bei zwei weiteren Dauerbrennern momentan Luft nach oben. Genauso wie beim Halblinken Tim Stefan, der aktuell auch nicht wie gewohnt zum Zuge kommt. Wie auch Linksaußen Christian Rompf derzeit in der Deckung etwas die Entschlossenheit der Vorrunde fehlt. Da wird es dann schwer, dies aufzufangen mit den eigenen Stärken, die eigentlich darin bestehen, dass immer wieder andere mit Glanzauftritten schwächere Leistungen ausgleichen können. Hoffnung machen aber im Gegensatz dazu die zuletzt starken Auftritte von Routinier Tomáš Sklenák, der speziell in den letzten beiden Spielen überzeugte.

Der TVH geht also mit genügend Sorgen auf die lange und strapaziöse Busfahrt. Rostock hat zwar bisher bei vier Siegen und zwei Unentschieden lediglich zehn Punkte auf der Habenseite. Neun davon wurden allerdings vor heimischem Publikum geholt. Dabei gelang den Hansestädtern in der Vorrunde sogar das seltene Kunststück, den souveränen Meister aus Nettelstedt-Lübbecke zu besiegen. Auch die Spitzenteams aus Bietigheim, Rimpar und Friesenheim mussten sich mächtig strecken, um mit knappen Erfolgen die Heimreise antreten zu können. Im letzten Heimspiel gegen den TuS Ferndorf erkämpfte sich der HC dann mit einem Unentschieden den allerdings bisher einzigen Punktgewinn in diesem Jahr vor eigenem Publikum und erst den zweiten nach der Winterpause.

Selbstbewusstsein aufbauen

Doch die Mittelhessen wollen die Aufgabe beim erfolgreichsten Handballverein der ehemaligen DDR mit höchster Konzentration angehen. Denn irgendwann muss ja die schwarze Serie reißen und der erste Auswärtssieg 2017 gelingen. Am Samstag in Eisenach war man sehr nahe dran, scheiterte aber letztlich an der mangelhaften Chancenverwertung. Doch der heutige Gastgeber hat nicht nur die schlechteste Angriffsreihe, sondern stellt auch die mit Abstand schwächste Liga-Defensive, die bereits nach dem 34. Spiel 1014 Gegentreffer und damit über 120 mehr als der TVH kassiert hat. Vor den abschließenden drei Saisonspielen gegen die aktuellen Top-Drei der Liga ist Rostock damit hoffentlich der richtige Gegner, um den Hüttenberger Handballern mit einem Sieg nicht nur den zweiten Tabellenplatz zurückzubringen, sondern noch einmal Selbstbewusstsein für die entscheidenden letzten Begegnungen aufzubauen.


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