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Allein auf Rechtsaußen

Gießener Allgemeine Zeitung

Mittwoch, den 31. Mai 2017 um 08:09 Uhr

Hüttenberger Daniel Wernig ist heiß auf Rimpar

(mro). Der TV 05/07 Hüttenberg kann am Wochenende das nächste Handball-Wunder vollbringen. Als Aufsteiger haben die Mittelhessen – aktuell Rangzweiter – am vorletzten Spieltag einer langen Zweitliga-Saison die Chance, mit einem Sieg bei der drittplatzierten DJK Rimpar Wölfe die Rückkehr ins Handball-Oberhaus perfekt zu machen. Um damit in der nächsten Saison, neben dem Derby gegen Nachbar Wetzlar auch gegen Größen wie den THW Kiel, die Rhein-Neckar Löwen oder auch die SG Flensburg-Handewitt anzutreten.

Rechtsaußen Daniel Wernig trägt bereits im fünften Jahr das Hüttenberger Trikot. Der Dauerrenner auf dem rechten Flügel hat einen großen Anteil am aktuellen Höhenflug. Er hat sich dieser Zeitung zum Interview gestellt und gibt einen Einblick in die aktuelle Gefühlslage.

Herr Wernig, am Samstag nach dem Sieg gegen Bietigheim waren Sie fast sprachlos. Haben Sie mittlerweile Worte gefunden?
Daniel Wernig: Es ist weiter schwierig. Wir haben die Chance, in die erste Liga aufzusteigen. So etwas erlebt man vermutlich nur einmal im Leben. Außer man heißt Basti Roth (lacht). Ich bin nun fünf Jahre in Hüttenberg, bin nach dem Erstliga-Abstieg gekommen und habe den Umbruch mitgemacht. Am Samstag ist keiner von uns aus der Halle gegangen, der gesagt hat, dass wir es gegen Rimpar nicht schaffen können.

Wie war diese Leistung nach zuletzt oft durchwachsenen Auftritten und der strapaziösen Woche mit Auswärtsspielen in Eisenach und Rostock möglich?
Wernig: Zu diesem Zeitpunkt in der Saison wird viel im Kopf entschieden. Das klingt sehr plakativ und einfach. Aber jetzt lernt man im Training keine neuen Spielzüge mehr oder legt Grundlagen. Direkt nach dem Abpfiff in Rostock haben wir mit dem Matchplan für Bietigheim begonnen. Wir haben auch viel miteinander gesprochen. Dann hatten wir gleich zu Beginn zwei, drei gute Aktionen, eine gute Torhüterleistung und die super Zuschauer. Da haben wir uns dann wieder in einen Rausch gespielt. Diese emotionale Welle müssen wir auch bei Rimpar wieder treffen.

Erstes Endspiel gewonnen. Nun geht es am Samstag zum nächsten. Was erwarten Sie?
Wernig: In der Arena in Würzburg werden bis auf vielleicht 100 bis 200 TVH-Fans alle gegen uns sein. Wir haben in der Rückrunde gesehen, was passiert, wenn man nicht zu 100 Prozent da ist. Dann bekommt man einen auf den Deckel. Aber Rimpar hat den größeren Druck. Wenn sie gegen uns verlieren, sind sie am Ende vielleicht um einen Punkt hinten dran. Denn Friesenheim wird wohl seine letzten beiden Spiele gewinnen. Das kann Rimpar hemmen.

Wie groß ist die Lust auf die 1. Handball-Bundesliga?
Wernig: Ich habe ja schon mal ein Jahr in Dormagen in der Bundesliga gespielt. Aber mit dem eigenen Verein sportlich aufzusteigen, das ist dann unglaublich. Erst recht bei unseren Voraussetzungen. Viele junge Leute, der kleine Etat, nur drei Linkshänder, zudem mit Ragnar Jóhannsson und Jan Wörner noch dazu zwei junge. Diese ganze Konstellation vom Handkäsedorf, das das viele Geld schlägt. Das ist extrem geil. Es gibt nichts Besseres.

Sie sind ja kein Handball-Profi. Neben einem Vollzeit-Beruf sind Sie seit Kurzem auch Familienvater. Zudem wohnen Sie in Kelkheim, also nicht gerade »ums Eck«. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Wernig: Das fragt mich meine Frau auch immer (lacht). Das kannst Du alles nur schaffen, wenn Du jemanden hast, der Dir den Rücken freihält. Und das macht meine Frau. Sie erledigt alles zu Hause. Der Spielplan ist ja immer schon früh da. Das erleichtert schon die Planung. Auch meine Firma unterstützt mich. Die ist genauso Handball-verrückt wie ich. Ich bin auch »Adli« Eyjólfsson dankbar für seine Trainingssteuerung. Ich bin ja alleine auf meiner Position und muss viel arbeiten. Trotzdem habe ich mit dem blöden Fuß nur ein Spiel gefehlt. Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass wir es am Samstag schaffen sollten.

Abschließend noch die Frage: Was passiert bei einem Sieg gegen Rimpar?
Wernig: Da sprechen wir dann am Samstag drüber. Wir wollen das Spiel erst einmal seriös angehen. Ich möchte mich nicht über Eventualitäten unterhalten. Zumal es auch nicht schlimm ist, wenn es am Samstag nicht klappt. Dann haben wir ja immer noch das Lübbecke-Spiel.


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