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Den Matchball vergeben

Gießener Allgemeine Zeitung

Das 30:31 bei den Rimpar Wölfen hat den TV 05/07 Hüttenberg zwar im Aufstiegsrennen zurückgeworfen, aber nicht aller Erstliga-Chancen beraubt.

Von Markus Röhrsheim. Es war alles angerichtet für den großen Showdown am Samstagabend in der Würzburger s.Oliver Arena. Die erstmals in dieser Saison mit 2900 Zuschauer ausverkauft war, woran knapp 300 Fans des TV 05/07 Hüttenberg einen großen Anteil hatten. Die unterstützen ihre Mannschaft vorbildlich und peitschten sie jederzeit nach vorn. Und feierten auch noch lange nach dem Abpfiff lautstark ihre Mannschft, obwohl diese mit einer unglücklichen 30:31 (12:16)-Niederlage gegen DJK Rimpar den Matchball zum Aufstieg von der zweiten in die erste Handball-Bundesliga aus der Hand gab.

„Rimpar hat in der ersten Halbzeit energischer angefangen. Gerade ihre Phase zwischen der ersten und zweiten Welle war sehr gut. Dadurch haben wir zu viele Tore in den Nahtstellen gefangen“, stellte TVH-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson fest. Dadurch musste seine Mannschaft von Anfang an einem Rückstand hinterher laufen. So war das 1:0 von DJK-Linksaußen Sebastian Kraus bereits der erste Beweis für das schnelle Umschaltspiel der Hausherren, welches bei Hüttenberg in der ersten Halbzeit gar nicht stattfand. Zwar konnte Routinier Christian Rompf in der 4. Minute von Linksaußen egalisieren, nachdem man geduldig abgeräumt hatte.

Rimpar mit besserem Start

Doch trotz zweier zunächst gut ins Spiel findendenden Torhüter Matthias Ritschel (TVH) und Max Brustmann (DJK) setzten sich die aggressiveren Hausherren in der 10. Minute bereits auf 6:3 ab, als der Ex-Hüttenberger Patrick Schmidt bereits seinen dritten Siebenmeter verwandelt hatte. Den hatte erneut der starke Rimparer Kreisläufer Jan Schäffer gezogen, vor dessen Zusammenspiel mit dem Rückraum Eyjólfsson noch gewarnt hatte. Und obwohl Ritschel nun sogar einen Strafwurf von Dominik Schömig parieren konnte, erhöhten die Wölfe auf 10:6 in der 19. Minute, als Schömig von seinem Torwart nach einer Parade gegen einen schwachen Wurf von Ragnar Jóhannsson auf die Reise geschickt worden war.

Hüttenberg reagierte mit der Auszeit und brachte Moritz Zörb für Mario Fernandes. „Mario konnte sowohl vorne als auch hinten nichts machen und stand unter ständiger Beobachtung der Schiedsrichter“, bemängelte der Isländer auf der TVH-Bank. Doch Zörb kam sofort gut ins Spiel. Mit drei Toren bis zum Halbzeitpfiff (8:11-21., 10:13-24. in Unterzahl und 11:14-26.) war er zusammen mit Dominik Mappes in der Offensive dafür verantwortlich, dass sich die Blau-Roten so langsam in das Spiel hinein arbeiteten. Allerdings kamen nun einige Entscheidungen des erst kurzfristig umbesetzten Schiedsrichter-Gespannes, die bis zur Pause den TVH wieder ein wenig bremsten. So konnte Rimpars Julian Sauer per Tempogegenstoß auf 15:11 erhöhen, nachdem ein Foul an Mappes im Wurf ungeahndet blieb. Und nach einer fragwürdigen Zeitstrafe gegen Moritz Zörb folgte der Höhepunkt im Platzverweis gegen Linksaußen Christian Rompf, welcher selbst von Rimparer Seite als überzogen bewertet wurde. Patrick Schmidt ließ sich jedoch von den Diskussionen nicht beirren und verwandelte den fälligen Strafwurf zum 16:11, welches Tim Stefan in doppelter Unterzahl aber wenigstens noch zum Pausen 12:16 aus Hüttenberger Sicht verkürzen konnte.

Zweifache Aufholjagd reicht nicht

Die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim mussten den Schock der Roten Karte erst einmal verdauen. Rimpar dagegen legte zum 18:12 durch Schäffer nach und Fernandes musste zum bereits zweiten Mal auf das Sünderbänkchen. Der Abstand hatte auch beim 21:15 in der 36. Minute weiter Bestand, als Schmidt mit seinem ersten Feldtor von halblinks traf. Hüttenberg hatte nun aber zumindest den schnelleren Weg nach vorne angetreten, aus dem unter anderem die Tore von Tim Stefan zum 14:19 und Daniel Wernig zum 15:20 resultierten. Aðalsteinn Eyjólfsson probierte nun alles und brachte Jan Wörner auf halbrechts, dem man bei allem Bemühen aber natürlich die wochenlange Verletzungspause anmerkte. Doch der TVH kämpfte sich trotzdem ins Spiel.

Wernig von Rechtsaußen zum 16:21, der mittlerweile das Tor hütende Fabian Schomburg mit einer Glanzparade gegen den am Kreis freien Schäffer, Mappes aus dem Rückraum zum 17:21 und ein von Moritz Zörb im Hechtsprung vereitelter Rimparer Tempogegenstoß: Hüttenberg war beim 18:21 durch Wernigs Siebenmeter, dem ersten für Hüttenberg nach bereits sieben für Rimpar (!), im Kommen. Ein weiterer Ballgewinn von Zörb nutzte Dominik Mappes im Nachsetzen zum 20:22. Die Gastgeber wirkten nun verunsichert. Steffen Kaufmanns Pass landete im Seitenaus und abermals Daniel Wernig vom Punkte konnte zum 21:22-Anschlusstreffer in der 43. Minute einwerfen. Sollte das Spiel doch noch kippen?

„Dann bekommen wir wieder eine falsche Sperre gegen Mario abgepfiffen“, konnte Eyjólfsson abermals eine Entscheidung gegen Fernandes nicht nachvollziehen, der nur kurz den durchschnaufenden Zörb am Kreis vertrat. Und auch DJK-Trainer Dr. Matthias Obinger sah die Gefahr und brachte den siebten Feldspieler. Was sich sofort in drei Toren in Folge bezahlt machte. Der TVH reagierte mit einer Auszeit, nach der Ritschel und Jóhannsson auf das Feld zurückkamen. Doch Rimpar hatte das Momentum gedreht. Erst Recht, nachdem der mit 15 Paraden glänzende Max Brustmann einen Siebenmeter von Wernig entschärfen konnte. Und die Wölfe erhöhten gar auf 28:23 in der 51. Minute durch einen Verzweifelungswurf von Benjamin Herth bei drohender Unterzahl, bei dem Ritschel nicht gut aussah. Er räumte im Anschluss daran seinen Platz wieder für Schomburg, der nach der letzten TVH-Auszeit nun mit drei Paraden, unter anderem einen Siebenmeter gegen den bis dahin fehlerlosen Patrick Schmidt, den Grundstein legte, dass Hüttenberg durch zwei Wernig-Tore und einem weiteren Treffer des fehlwurffreien, siebenfachen Torschützen, Moritz Zörb, fünf Minuten vor dem Ende beim 26:28 doch wieder dran war, und damit eine spannungsgeladene Endphase einläutete. In der legte Rimpar aber immer wieder vor, sodass die Tore von Dominik Mappes per Strafwurf und Zörb vom Kreis in der Schlussminute zu spät kamen.

"Vorne ein paar Fehler zu viel gemacht"

„In der zweiten Halbzeit war das ein starker Kampf. Da haben wir endlich Tore aus der zweiten Wellle und schnellen Mitte gemacht. Trotzdem haben wir vorne noch ein paar Fehler zu viel gemacht“, fasste ein sichtlich enttäuschter Aðalsteinn Eyjólfsson zusammen. Der TVH hat mit dieser unglücklichen Niederlage die Chance, „wohl erstmals den Durchmarsch von der dritten in die erste Liga seit Einführung der eingleisigen zweiten Liga zu schaffen“ (Obinger) am Samstag leider nicht nutzen können. Nun ist man am letzten Spieltag auch auf die Ergebnisse der Konkurrenz angewiesen, um vielleicht doch noch das Handball-Wunder zu schaffen. An Dramatik ist der kommende Samstag jedenfalls nicht zu überbieten, rangiert der TVH doch nur noch um die um einen Treffer bessere Tordifferenz auf dem Aufstiegsrang drei vor Friesenheim, dass zum Abschluss Schlusslicht HC Empor Rostock empfängt. Die Handballer aus der Handkäse-Hochburg dagegen müssen zu Hause gegen den souveränen Meister TuS Nettelstedt-Lübbecke die ungleich schwerere Aufgabe meistern.

DJK Rimpar Wölfe: Wieser, Brustmann; Kraus (3), Schmitt (1), Schömig (2), Böhm (2), Bötsch, Schäffer (3), Schmidt (10/7), Kaufmann (5), Siegler, Brielmeier (2), Herth (1), Sauer (2).

TV Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (3), Sklenák (1), Wörner, Lambrecht, Wernig (7/2), Rompf (2), Zörb (7), Fernandes, Jóhannsson (1), Roth, Mappes (9/1), Hofmann.

Stenogramm: Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg/Dodendorf). – Zuschauer: 2900. – Zeitstrafen: 14 - 8 (Strafminuten). – Disqualifikation: Rompf (TVH-30.). – Siebenmeter: 9/7 – 4/3.


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