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Vom Paradenkönig bis zum Schlitzohr

Gießener Allgemeine Zeitung

Dienstag, den 13. Juni 2017 um 07:24 Uhr

Wer trug was zum Sensations-Aufstieg bei? Die Helden des Neu-Bundesligisten TV 05/07 Hüttenberg von unserem Mitarbeiter Markus Röhrsheim porträtiert.

Tor: Kapitän Matthias Ritschel war in einigen Spielen der Matchwinner. Musste aber auch erkennen, dass in Liga zwei ein anderes Niveau herrscht als noch in der 3. Liga. Konnte daher in der Rückrunde, genauso wie seine Vorderleute, nicht mehr ganz an die überragende Vorrunde anknüpfen. Dennoch auch weiterhin oft unüberwindbar für die gegnerischen Schützen, speziell von der Siebenmeter-Linie. Parierte in dieser Saison jeden dritten Wurf auf sein Tor, was ein Spitzenwert ist. Weiterhin klar die Nummer eins im starken Torhüter-Gespann mit Fabian Schomburg. Der 26-jährige Schlaks harmoniert sehr gut mit Ritschel und konnte bei seinen Einsätzen seine Reaktionsstärke unter Beweis stellen. Steht in jeder Auszeit in engem Kontakt mit Ritschel. Hat durch diese Weitergabe seiner Eindrücke aus einem anderen Blickwinkel s einen Anteil an der Leistung seines Torhüter-Partners.

Linksaußen: Viele konnten in Hüttenberg die Trennung von Tom Warnke nicht verstehen. Doch nach der Trennung von Neuverpflichtung Aljoscha Schmidt aufgrund dessen weiter anhaltenden Schulterverletzung erwies sich der spät realisierte Transfer von Christian Rompf als wahrer Glücksgriff. Der Langgönser war von Anfang eine Verstärkung auf der Halbposition in der Deckung und brachte auch im Angriff seine Erfahrung aus sechs Jahren Bundesliga bei der HSG Wetzlar bestens ein. Zudem auch ein emotionaler Leader auf dem Feld, der sich nicht schonte. Und sicherlich bewusst das eine Jahr 2. Liga in Kauf nahm, denn ab der kommenden Runde hat ihn die 1. Bundesliga wieder. Hinter ihm machte der 22-jährige Jannik Hofmann seinen nächsten Entwicklungsschritt. Hat dabei große Fortschritte in der Deckung gemacht, ohne natürlich dabei an die Erfahrung von Rompf heran zu reichen. Aber auch in der Offensive konnte er mit gutem Durchsetzungsverhalten, speziell auch im Tempogegenstoß, überzeugen.

Rückraum links: Neuzugang Tim Stefan konnte sich, nach kurzer Eingewöhnungsphase in Mittelhessen, mit starken Auftritten in der Vorrunde als Nummer eins auf der Königsposition positionieren. Acht Tore gegen Aue, neun gegen Wilhelmshaven, sechs Tore in Neuhausen und deren sieben gegen Rimpar sind Belege für die Offensiv-Qualitäten des 21-Jährigen. Natürlich fehlt aufgrund der jungen Jahre noch die Konstanz in seinen Leistungen. Muss sich zudem auch noch in der Deckung stabilisieren. Routinier Sebastian Roth glänzte in der Vorrunde speziell als Waffe im Überzahlspiel. Sorgte aber auch in der Rückrunde immer wieder für Torgefahr, speziell als Tim Stefan nicht so zum Zuge kam. Zudem als Motivator vor dem Spiel, aber auch von der Bank aus, ein enorm wichtiger Bestandteil der Mannschaft.

Rückraum Mitte: Hier hat Dominik Mappes, trotz seiner erst 22 Jahren, auch in der 2. Liga eindrucksvoll bewiesen, dass er schon ein Führungsspieler ist. Natürlich lassen sich auch einmal schwächere Spiele nicht verhindern, zumal er öfters die alleinige Verantwortung übernehmen musste. Zudem auch auf halblinks wertvoll im Zusammenspiel mit Tomáš Sklenák, der dann die Regiezentrale übernahm. Beide ergänzen sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Spielweise und trotz ihres Altersunterschiedes hervorragend. Schade, dass der tschechische Routinier in der Rückrunde wegen eines Muskelfaserrisses einige Wochen ausfiel. Zeigte aber auch danach eindrucksvoll, wie wichtig ein topfitter Sklenák für das Team ist und er auch 35-jährig noch gut mithalten kann.

Rückraum rechts: Der Isländer Ragnar Jóhannsson bekam in dieser Saison Unterstützung von Jan Wörner. Der 22-jährige Linkshänder wagte den Sprung aus der 3. Liga, um in Hüttenberg den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu machen. Bringt sehr gute körperliche Voraussetzungen mit, fiel leider in der Rückrunde lange wegen einer Knöchelverletzung aus, sodass Ragnar Jóhannsson doch wieder oft über die gesamte Distanz gehen musste, was in der Rückrunde leider zu einigen schwächeren Spielen führte. Dennoch immer eine Waffe, speziell mit seinen peitschenartigen Stemmwürfen, was 140 Feldtore beweisen. Zudem ein starker Deckungsspieler und damit ein wichtiges Puzzleteil in der starken Hüttenberger Defensive. Schonte sich auch dort, gegen oftmals körperlich überlegene Gegner, niemals. Unerschütterlich.

Rechtsaußen: Schlitzohr Daniel Wernig musste auf dieser Position als Alleinunterhalter ein Riesen-Pensum absolvieren. Nur selten bekam er Pausen zum Durchschnaufen. Verpasste dennoch nur ein Spiel verletzt und ist Hüttenbergs erfolgreichster Torschütze mit 208/78 Toren, was zudem Platz acht in der Liga bedeutet. Zeigte, trotz hoher Belastung, immer wieder seine Sprintstärke im Tempogegenstoß und überzeugte auch mit seinen Wurfvarianten.

Kreis: Eine, mit wenigen Ausnahmen, starke Saison spielte Abwehrchef Mario Fernandes, der speziell in der Vorrunde zudem sehr torgefährlich agierte. Ist der Dirigent im Deckungszentrum und wirft sich in jeden Zweikampf. Im Zusammenspiel mit Moritz Lambrecht auf der Eins das Zentrum und Herz der von Aðalsteinn Eyjólfsson wieder belebten 3:2:1-Deckung, die so manche gegnerische Rückraumreihe zur Verzweiflung in deren Aufbaubemühungen bringt. Lambrecht ist zudem immer schnell vorne und dadurch torgefährlich im Tempogegenstoß. Auch auf der Deckungs-Halbposition eine Alternative. Genauso wie der dritte im Bunde, Moritz Zörb. Ebenso für Sonderaufgaben in der Deckung einsetzbar sowie als Backup für Fernandes. Machte am vorletzten Spieltag in Rimpar wohl das Spiel seines Lebens, was aber, trotz seiner sieben Tore, am Ende leider nicht reichte.

Die »Ergänzungen«: Markus Semmelroth kam in dieser Saison, nach einer starken Vorsaison, nur zu Kurzeinsätzen, da er sich in der Vorbereitung eine Fußverletzung zuzog, die sich länger als zunächst erhofft hinzog. Verlässt den TVH zum Drittligisten MSG Groß-Bieberau/Modau, ist aber eventuell zur übernächsten Saison wieder ein Thema. Maximilian Kraushaar ist in Hüttenberg durch seine schweren Verletzungen nie richtig angekommen, zumindest nicht auf dem Platz. Konnte so zwar in der Rückrunde mithelfen, dass die zweite Mannschaft die Oberliga-Rückkehr klar machte. In der 2. Liga kam der mittlerweile 24-Jährige aber nur auf wenige Minuten. Verlässt ebenfalls den TVH. Der ebenfalls auf Halblinks agierende Jonas Müller kam vor der Saison von Nachbar HSG Wetzlar und wurde vereinbarungsgemäß fast ausschließlich mit Zweitspielrecht bei Drittligist HSG Rodgau Nieder Roden eingesetzt. Wo er durch Spielpraxis im Aktiven-Bereich den dauerhaften Sprung in den Bundesliga-Kader schaffen soll. Eine Investition in die Zukunft.

Die Neuen: Die Aufsteiger-Mannschaft bleibt größtenteils zusammen. Nur Markus Semmelroth und Maximilian Kraushaar verlassen den Verein. Zudem steht die Verpflichtung von Linkshänder Tobias Hahn von der HSG Wetzlar schon länger fest.


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