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Das »Gallische Dorf«

Gießener Allgemeine Zeitung

Dienstag, den 13. Juni 2017 um 07:26 Uhr

Der Dorfverein TV 05/07 Hüttenberg schickt sich nach einer phänomenalen Zweitliga-Spielzeit nunmehr an, als »Gallisches Dorf« einmal mehr die Handball-Bundesliga zu rocken.

Von Markus Röhrsheim. Es war ein Herzschlagfinale, an dessen Ende der TV 05/07 Hüttenberg doch noch das Märchen hat Wirklichkeit werden lassen. Nach der nicht unerwarteten Zweitliga-Rückkehr vor etwas mehr als einem Jahr war diese für die Mittelhessen überraschenderweise nur eine Zwischenstation. Und so bekommen die Worte von Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson bei der Team-Präsentation vor der Runde im Nachhinein eine ganz neue Bedeutung. Damals hatte sich der Isländer versprochen, als er auf die Frage nach dem Saisonziel noch antwortete: »Wir wollen auch im übernächsten Jahr mindestens 2. Liga spielen.« Auf Nachfrage, ob dies eine Ansage zum Durchmarsch war, hatte er damals noch vehement zurückgerudert. »Nein, um den Aufstieg spielen ganz andere Mannschaften mit anderen Etats und professionelleren Strukturen.«

An diesen Fakten hat sich innerhalb dieser Zeit sicherlich nichts geändert. Doch der TVH hat mit einer überragenden Vorrunde, in der man davon profitierte, vielleicht doch ein wenig unterschätzt worden zu sein, und einem eingespielten, weitestgehend von Verletzungen verschont gebliebenem Kader eine hervorragende Basis gelegt. Zum Aufstieg, den selbst der Auswärtsfluch der Rückrunde, in der man nur drei Punkte in fremden Hallen entführen konnte, nicht verhinderte.

Mit der Euphorie der souveränen Meisterschaft in der 3. Liga Ost und einem deutlichen 31:25 in Emsdetten in die Saison gestartet, ließen sich die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim auch nicht von der einzigen Niederlage gleich im ersten Auftritt vor heimischer Kulisse gegen Konstanz verunsichern. Nach der Niederlage am fünften Spieltag in Bad Schwartau mussten sich die Blau-Roten bis zur WM-Pause nur noch mit 24:25 bei Mitaufsteiger Friesenheim geschlagen geben. Nach dem Sieg vor Weihnachten beim Mitkonkurrenten Bietigheim und dem Unentschieden am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Hause gegen Rimpar ging der mittelhessische Aufsteiger für alle überraschend als punkt- und torgleicher Tabellenführer mit dem Erstliga-Absteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke in die WM-Pause. Bei dem man sich im ersten Spiel 2017 zum Vorrunden-Abschluss mit 26:28 geschlagen geben musste.

Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, dass dies der Anfang einer Serie von acht sieglosen Auswärtsspielen sein sollte, in denen man nur einen Punkt in Nordhorn ergattern konnte. Da man sich aber zu Hause, außer beim Unentschieden gegen Friesenheim, weiter schadlos hielt, spitzte sich die Aufstiegsentscheidung in der Saison-Schlussphase zu einem Herzschlagfinale zu, bei dem die TSG Ludwigshafen-Friesenheim, die DJK Rimpar Wölfe und die SG BBM Bietigheim mit dem TV 05/07 Hüttenberg darum stritten, den souveränen Meister TuS Nettelstedt-Lübbecke ins Handball-Oberhaus zu begleiten. Wobei das Programm an den letzten drei Rundenspieltagen knüppelhart war für die Handballer aus der Handkäsemetropole. Ein Heimsieg gegen Bietigheim brachte sie auf Platz zwei in aussichtsreiche Position. Die sich aber mit dem unglücklichen 30:31 in Rimpar etwas verschlechterte, da man es nun nicht mehr alleine in der Hand hatte. Zudem musste zum Saisonabschluss der Meister und direkte Erstliga-Rückkehrer Nettelstedt besiegt werden. Was der TVH mit einem souveränen 25:19 so prächtig löste, dass man sich den Aufstieg als Tabellenzweiter sicherte, da einerseits Friesenheim gegen Absteiger Rostock nur mit fünf Toren Differenz gewann und Rimpar sogar mit seiner Niederlage in Bad Schwartau wieder aus den Aufstiegsrängen rutschte.

Wermutstropfen war allerdings über weite Strecken der Saison der Zuschauerzuspruch. Konnte man in der 3. Liga noch mehr als zufrieden sein, steigerte sich dieser, trotz der Erfolge, in der 2. Liga nur unmerklich. Was nicht nur beim Trainer und dem Management zwischenzeitlich zu Unverständnis führte. Denn gerade zu Hause trat die Eyjólfsson-Sieben als eine Macht auf und zeigte auch oftmals begeisternden Handball. So appellierte nun Lothar Weber im Namen der Hüttenberger Handball-Marketing GmbH & Co. KG an die Unterstützung der Fans, um dauerhaft weiter Leistungshandball in Hüttenberg zu ermöglichen.

Auch bei der Kaderzusammenstellung hat man vor der Runde alles richtig gemacht. Der erstligaerfahrene Linksaußen Christian Rompf überzeugte auch als Deckungshalbspieler und erhöhte somit die taktischen Möglichkeiten. Mit Tim Stefan und Jan Wörner wurden zwei junge deutsche Rückraumspieler verpflichtet. Der trotzdem schon höherklassig erfahrene Tim Stefan konnte in etlichen Spielen positive Akzente setzen. Der aus der 3. Liga gekommene Jan Wörner kam zwar nicht auf ganz so viel Einsatzzeit, war aber ebenfalls wertvoll in der Rotation. Genauso wie Moritz Zörb, vom Nachbarn HSG Wetzlar vor der Saison endgültig nach Hüttenberg gewechselt. Meist als Abwehrspezialist eingesetzt, zeigte er in den letzten Saisonspielen auch seine Offensivstärke. Und mit Jonas Müller kam ebenfalls von Wetzlar ein junger Rückraumspieler, der über das Zweitspielrecht in der 3. Liga behutsam an höhere Aufgaben herangeführt werden soll.


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