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TVH-Linksaußen Daniel Wernig: »Alles raushauen und nicht ergeben«

Gießener Allgemeine Zeitung

Freitag, den 25. August 2017 um 07:22 Uhr

Daniel Wernigi m Interview

Von Philipp Keßler. Er ist ein Symbol für den Hüttenberger Weg: Linksaußen Daniel Wernig – Handballprofi, Vollzeit-Job, Familienvater. Und das Ganze nach dem Aufstieg auch in der ersten Liga. Im Interview erzählt er, wie das geht, wie schrecklich die Verlegung der Heimspielstätte ist und wie viele Punkte er bis Weihnachten gerne hätte.

Herr Wernig, was haben Sie und Ihre Mannschaft sich für die kommende Saison vorgenommen?
Daniel Wernig: Über eine Zielsetzung haben wir uns noch gar keine Gedanken gemacht, aber das brauchen wir auch nicht. Wir werden in den Spielen alles raushauen, uns nicht ergeben und dann schauen, was dabei am Ende herauskommt. Ich glaube, es wird ein schönes Jahr, weil es für uns als Mannschaft der Lohn für unsere Arbeit ist.

Welche Mannschaften muss Ihr Team für den Klassenerhalt hinter sich lassen?
Wernig: Ich glaube, das zeigt ein Stück weit die Etat-Tabelle. Ich will aber gar nicht überlegen, wer mit uns im Abstiegskampf ist, sondern wir müssen schauen, dass wir unsere Punkte sammeln. Wenn wir bis Weihnachten zehn bis elf Punkte haben, dann wäre das schon ein absoluter Traum.

"Für uns ist das mehr als schrecklich, weil uns dadurch vier bis fünf Punkte verloren gehen." Daniel Wernig

Ihre Mannschaft hat trotz Aufstieg lediglich zwei Neuzugänge. Reicht das?
Wernig: Wir können nicht anders verstärken und wollen das auch nicht. Wir haben eine junge, wilde Mannschaft, die punktuell im Rückraum verstärkt wurde. Wir haben eine gute Vorbereitung gespielt, auch wenn die Ergebnisse vielleicht etwas unglücklich waren. Szymon (Sicko, Anm. d. Red.) ist gut integriert, lernt immer mehr Deutsch und über Vladan (Lipovia, Anm. d. Red.) muss man hier in der Region nicht viel sagen. Er ist eine gute Verstärkung, auch weil er mit Tobias Hahn schon als Gespann bei der HSG Wetzlar gespielt hat.

Die Heimspiele müssen Sie wegen der Auflagen der Liga nun in der Gießener Osthalle austragen. Wie wird dort der Zuspruch der Fans sein?
Wernig: Ich glaube, wir kriegen den Hüttenberger Flair in Gießen nicht hin – zumindest nicht gleich. Da hängen auch wir Spieler dran. Wir müssen erfolgreich sein, auf uns aufmerksam machen und die Hüttenberger animieren, sich ins Auto zu setzen. Denn das ist unser Kernpublikum. Die ganzen Auflagen der HBL kann ein kleiner Dorfverein nicht einfach stemmen ,und deshalb werden wir jetzt aus unserem Wohnzimmer herausgerissen. Für uns ist das mehr als schrecklich, weil uns dadurch vielleicht vier bis fünf Punkte verloren gehen, weil wir einfach nicht diesselbe Stimmung erzeugen können wie in unserer kleinen Halle.
Aber wir müssen es erfüllen, damit wir mitspielen dürfen, und sind froh, dass wir das hier in der Nähe machen können. Zur Auswahl standen auch Aschaffenburg oder Frankfurt, was eine Katastrophe für unser Publikum gewesen wäre.

Wie sieht es in Sachen Umfeld nach dem Aufstieg in Hüttenberg aus?
Wernig: Ich weiß, dass es eine Mammutaufgabe ist, die wir den Verantwortlichen sportlich auferlegt haben. Deshalb mussten sie noch mehr als 2011 alle Hebel in Bewegung setzen, um uns das zu ermöglichen. Natürlich würden wir alle sofort Vollprofi werden, aber das geht einfach nicht. Wenn du eine Familie versorgen willst, brauchst du noch einen Job. Aber da ist man als Hüttenberger auch ein Stück weit stolz drauf.

Wie bekommen Sie denn Job, Familie und Handball-Profitum unter einen Hut?
Wernig: Ich habe eine sehr verständnisvolle Frau, die zu Hause alles managed und mir den Rücken freihält. Dafür bin ich sehr dankbar, denn anders würde es nicht funktionieren. Wie das in dieser Saison in der Praxis aussehen wird, werden wir sehen, aber ich habe einen tollen Arbeitgeber, der sehr viel Handballverständnis hat.

Gibt es schon Pläne für die nächsten Jahre Ihrer Karriere?
Wernig: Ich bin sehr glücklich hier, sonst hätte ich das die letzten fünf Jahre so auch nicht gemacht. Was ist in der Zukunft ist, werden wir sehen. Da bin ich auf jeden Fall offen.


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