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Einer Sensation nahe

Gießener Allgemeine Zeitung

Freitag, den 01. September 2017 um 15:41 Uhr

Handball-Bundesliga: Hüttenberg schnuppert beim 25:26 in Leipzig am Punktgewinn

(mro). Zweites Auswärtsspiel – zweite Niederlage. So war es erwartet worden und so ist es gestern Abend auch eingetreten. Doch was nach einer Viertelstunde wie eine klare Angelegenheit für den Favoriten aussah, wurde spätestens ab der 40. Minute ein enger Handball-Fight, bei dem der gastgebende SC DHfK Leipzig am Ende glücklich mit 26:25 (14:10) den Aufsteiger TV 05/07 Hüttenberg besiegte, dem neben viel Lob für eine couragierte Leistung der erste Bundesliga-Punkt aber verwehrt blieb.

Ähnlich wie am Sonntag startete die Mannschaft von Trainer Adalsteinn Eyjólfsson gut und glich durch den stark beginnenden Dominik Mappes die beiden ersten Leipziger Treffer jeweils schnell aus. Eine frühe Zeitstrafe bereits in der achten Minute gegen Ragnar Jóhannsson und einige überhastete Angriffsaktionen ließen danach aber die Hausherren nach einer Viertelstunde auf 8:2 wegziehen. Doch der TVH kam mit einem 5:0-Lauf zurück und stellte in der 22. Minute den Anschluss her. Auch, da der kurz zuvor ins Tor gekommene Fabian Schomburg sich gleich prächtig mit einer Siebenmeter-Parade gegen den letztjährigen Bundesliga-Torschützenkönig und Ex-Wetzlarer Philipp Weber einführte. Obwohl er direkt zuvor einen Kopftreffer, wie auch noch einmal in der Schlussphase, einstecken musste.

»In der Schlussphase der ersten Halbzeit waren wir dann aber wieder zu mutlos. Daher sind wir mit vier Toren Rückstand in die Kabine gegangen«, trauerte Coach Eyjólfsson der Chance nach, beim Seitenwechsel noch mehr Druck auf den Favoriten ausüben zu können. Denn nach dem 8:9 des an den Kreis eingelaufenen Tobias Hahn nutzte die Truppe von Übergangstrainer André Haber TVH-Fehler, um mit einem 14:10-Vorsprung in die Pause zu gehen.

Die Handballer aus Mittelhessen starteten gut mit einem Roth-Tor zum 11:14 in die zweite Hälfte. Und stellten eine starke Defensive mit einem ebenso guten Schomburg zwischen den Pfosten, der »viele freie Bonusbälle und zwei Siebenmeter gehalten hat, was der Deckung noch mehr Vertrauen gab«, so Eyjólfsson. So nötigten zwei Treffer des im zweiten Abschnitt aufdrehenden Jóhannsson sowie ein Tempogegenstoßtor von Daniel Wernig den SC-Coach in der 40. Minute zur Auszeit, da Hüttenberg zum 16:17 aufgeschlossen hatte. Ein weiterer Wernig-Treffer bedeutete in der 43. Minute gar den 18:18-Ausgleich.

Mittlerweile war jedem der über 3000 Zuschauer in der Arena Leipzig klar, dass der aufmüpfige Underdog die fünf Stunden Busanreise nicht auf sich genommen hatte, um kampflos die Punkte dazulassen. Zwar hatte man immer mal wieder Probleme zum gut ausgespielten Abschluss zu kommen, doch »in der zweiten Hälfte waren wir mutiger« bilanzierte der TVH-Trainer zufrieden. So war auch zehn Minuten vor dem Ende nach einem Tor von Jannik Hofmann beim 20:20 weiter alles offen. Der Linksaußen legte frech zum 22:23-Anschluss nach, als er den Ball am kurzen Pfosten ins Tor drosch. SCL-Coach Haber wagte nun alles mit dem siebten Feldspieler, und dieser Schachzug ging zunächst durch zwei Tore zum 25:22 in der 56. Minute auf.

War dies die Entscheidung? Nein, denn Hüttenberg, nun wieder mit Ritschel im Tor, konterte mit einem Mappes-Treffer ins leere Leipziger Tor. Und eine Ritschel-Parade ebnete den Weg zum 24:25-Anschluss durch Kreisläufer Moritz Zörb bei noch exakt zwei Minuten Restspielzeit. Und auch das 26:24 durch Alen Milosevic beantworte abermals Zörb, von Tomáš Sklenák bedient, mit dem 25:26 bei noch 53 Sekunden auf der Uhr.

Haber nahm seine letzte Auszeit und schwor seine Spieler auf ein entscheidendes Tor ein. Doch Linkshänder Franz Semper verzog. Leider kam aber der lange Pass von Matthias Ritschel nicht wie geplant an, so dass die Hausherren über einen glücklichen Ein-Tore-Sieg jubelten, während die Blau-Roten nahe an einem durchaus verdienten Punktgewinn vorbeischrammten.

»Es ist schwer zu sagen, was am Ende gefehlt hat. Es waren nur Nuancen«, musste  Eyjólfsson erst einmal durchschnaufen. »Unsere Defensive war heute teilweise überragend. Die Hilfsstrukturen haben viel besser geklappt als noch in Magdeburg. Zufrieden bin ich aber erst dann, wenn wir auch Punkte holen.« Der erste war gestern Abend zum Greifen nahe.

Leipzig: Vortmann, Putera; Semper (2), Rojewski, Jurdzs, Krzikalla (2), Binder, Janke (2), Pieczkowski (3), Kunkel (7), Roschek, Weber (5/2), Rivesjö (1), Strosack (2), Meschke (1), Milosevic (1).

Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan, Sklenák, Wörner, Lambrecht, Wernig (4/2), Zörb (2), Fernandes, Jóhannsson (6), Sicko, Roth (2), Mappes (4), Hofmann (3), Hahn (1), Lipovina (3).

Stenogramm / SR: Behrens/Fasthoof (Neuss). – Zuschauer: 3037. – Zeitstrafen: 4:4 Minuten. – Siebenmeter: 4/2:2/2.


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