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Hüttenberg fordert Wetzlar heraus

Gießener Allgemeine Zeitung

Mittwoch, den 06. September 2017 um 06:40 Uhr

HSG Wetzlar gegen TV 05/07 Hüttenberg, die »Mutter aller Handball-Derbys«, elektrisiert unsere Region. Das Bundesliga-Duell am Donnerstag (19 Uhr) ist restlos ausverkauft.

Die HSG Wetzlar ist Favorit. Klar! Aber ganz so ungleich ist das Mittelhessenduell, das die Handballer an der Lahn in den Bann zieht, nicht mehr. Der TV 05/07 Hüttenberg hat sich durch die beiden unglücklichen Ein-Tore-Niederlagen beim SC DHfK Leipzig und gegen MT Melsungen gleich zu Saisonbeginn in der Handball-Bundesliga Respekt verschafft und beim Publikum Sympathien gewonnen. Die wollen die Dominik Mappes, Matthias Ritschel und Co. mit einem beherzten Auftritt verfestigen. Bei einer HSG Wetzlar, bei der bislang Licht und Schatten wechselten, die unter dem Strich die Verluste der Leistungsträger Philipp Weber (zurück nach Leipzig) und Evars Klesniks (Bandscheiben-OP) aber schon richtig ordentlich weggesteckt hat. Von Torhüter Benjamin Buric bis Nationalkreisläufer Jannik Kohlbacher müssen alle Grün-Weißen schon an die 100 Prozent gehen, um das Parkett am Ende auch wirklich als Sieger verlassen zu können.

Wie ist die Ausgangslage? Wetzlar steht mit 3:3 Punkten dort, wo man es erwartet hat, auch wenn in Hannover ein Punktgewinn vergeben wurde. »Wir haben die ersten richtigen Schritte gemacht«, sagt HSG-Coach Kai Wandschneider, der auf den Verlust von Philipp Weber und Evars Klesniks verweist, »da müssen wir die neuen Spieler behutsam einbauen.«

Hüttenberg hat nach dem schweren Auftakt-Programm gegen drei Teams, die unter die Top Ten gehören, zwar noch keinen Zähler, in Leipzig und gegen Melsungen aber jede Menge Mut gewonnen. »Wir müssen diese Leistungen kontinuierlich zeigen, vor allem gegen die Mannschaften aus der zweiten Tabellenhälfte«, sagt TVH-Coach Aðalsteinn Eyjólfsson.

Gemein haben beide Teams, dass es in den ersten drei Partien mit der Chancenverwertung haperte. Wer sich hier cleverer zeigt, verschafft sich den vielleicht entscheidenden Vorteil.

Wer fehlt? Neben Evars Klesniks wird die HSG Wetzlar nun auch auf längere Sicht ohne Rechtsaußen-Backup Tim Rüdiger auskommen müssen. Beim 19-jährigen A-Jugend-Meister halten beide Knie – wie Geschäftsführer Björn Seipp erläutert – der enormen Trainings- und Spielbelastung nicht stand, so dass er in dieser Saison wohl nicht mehr zum Bundesliga-Kader gehören wird. Die Klubverantwortlichen befinden sich deshalb bereits auf der Suche nach einem weiteren Rechtsaußen neben dem Norweger Kristian Björnsen, der bis zum Auswärtsspiel in einer Woche bei TuS N-Lübbecke verpflichtet sein soll.

Auf Hüttenberger Seite kehrt Linksaußen Christian Rompf in den Kader zurück, sodass Trainer Eyjolfsson keine Ausfälle mehr zu beklagen hat und personell aus dem Vollen schöpfen kann.

Das sagen die Trainer: Kai Wandschneider (HSG): »Ich denke, Hüttenberg hat eine gute 3:2:1-Deckung. Matthias Ritschel und Fabian Schomburg haben im Tor zuletzt sehr stark gehalten, und Torhüter machen in solchen Spielen immer 50 Prozent aus, weil sie der Mannschaft Sicherheit verleihen können. Hüttenberg wird auch versuchen zu kontern, da ist Daniel Wernig extrem gefährlich durch seine gute Antizipation. Aber auch im Positionsangriff spielt Hüttenberg sehr geduldig und auf den Punkt, was natürlich an der guten taktischen Ausrichtung liegt. Wir werden eine sehr gute Deckung brauchen, um ihnen die Bälle wegnehmen und zusehen, dass wir nicht in die Konter reinlaufen. Was bedeutet, dass wir vorne sehr diszipliniert spielen müssen.«

Aðalsteinn Eyjólfsson (TVH): Wetzlar hat eine stabile Deckung mit starken Torhütern und vor allem ein blitzschnelles Tempospiel. Es wird unsere Hauptaufgabe sein, die erste und zweite Welle zu unterbinden und im Angriff technische Fehler zu vermeiden. Mit Kasper Kvist, Maximilian Holst und Kristian Björnsen wird es ansonsten brandgefährlich. Die Mannschaft ist außerdem taktisch immer gut eingestellt. Daher wird es schwer für uns werden. Wir werden versuchen, mit unserer 3:2:1-Deckung die Räume für Jannik Kohlbacher am Kreis eng zu machen.«

Welches Abwehrsystem triumphiert? »Uns liegt die Hüttenberger 3:2:1-Deckung eher als eine defensive 6:0-Formation, auch die 5:1-Abwehr kommt uns entgegen«, gibt sich Wetzlars Kai Wandschneider selbstbewusst, »unsere 6:0-Deckung, die variieren kann, ist seit Jahren wettkampferprobt.« Eyjólfsson hält fest: »Wir spielen eigentlich keine klassische 3:2:1. Eher eine alte Jugo-3:2:1, fasst schon 5:1-Pressing. Das ist unorthodox, nicht was dir jeden Tag begegnet. Das macht es für jeden Gegner schwer.«

Wer hat den größeren Druck? Die HSG Wetzlar als etablierter Erstligist gegen den Sensationsaufsteiger TV 05/07 Hüttenberg, da erwartet jeder einen Erfolg der Grün-Weißen. Der größere Druck liegt deshalb auf der HSG, wie selbst Trainer Wandschneider einräumt. Andererseits bietet sich für den TV 05/07 aufgrund der besonderen Derbykonstellation nach dem 0:6-Punkte-Start die Möglichkeit auf den ersten Zähler. Auch das erzeugt Druck.


Derby-Nostalgie

In der Saison 2011/12 setzte sich die HSG Wetzlar in beiden Derby-Partien gegen den TV 05/07 Hüttenberg, gegen den es in der gemeinsamen Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine Erstliga-Auseinandersetzung gegeben hatte, durch.

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Das Hinrundenspiel im September 2011 gewannen die Grün-Weißen vor 4415 Zuschauern in der Rittal-Arena mit 28:20 mit Steffen Fäth und Philipp Müller als beste Torewerfer (je 5). Beim TVH war Mathias Gerlich (8/5) am erfolgreichsten. Aus dem seinerzeitigen Wetzlarer Kader ist heute nur noch Nicolai Weber – nach zwischenzeitlichem Abstecher zur TSV Hannover-Burgdorf – im aktuellen HSG-Team. Auf Hüttenberger Seite wirkten vor sechs Jahren bereits Matthias Ritschel, Sebastian Roth und Mario Fernandes mit. Tobias Hahn trug noch das Wetzlarer Trikot.

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Im Rückrundenspiel in der Gießener Sporthalle Ost behielt erneut die HSG Wetzlar die Oberhand. Vor 2900 Zuschauern setzte sich das Team von Trainer Ghennadij Chalepo am 17. Februar 2012 mit 26:22 durch. Abermals war Mathias Gerlich bester TVH-Werfer (6/4), bei der HSG Adnan Harmandic (7/6). Am Ende der Saison musste Hüttenberg wieder in die 2. Liga.


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