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Hüttenberg geht gegen Berlin auf Fuchsjagd

Gießener Allgemeine Zeitung

Samstag, den 16. September 2017 um 18:02 Uhr

Knallerspiel für Aufsteiger TV 05/07 Hüttenberg in der Sporthalle Gießen-Ost: Am Sonntag (12.30 Uhr) kommt der haushohe Favorit Füchse Berlin. Die vier wichtigsten Punkte zum Spiel.

Von Markus Röhrsheim. Zweites Heimspiel in der Handball-Bundesliga für den TV 05/07 Hüttenberg. Am Sonntag 12.30 Uhr, also zur Anwurfzeit, die zur Normalität werden soll, erwartet der Aufsteiger den letztjährigen Rangvierten, die Füchse Berlin, die nur knapp die Champions League verpassten, in der Sporthalle Ost in Gießen. Hier gibt es die vier wichtigsten Punkte zum Spiel:

Wie war der Saisonstart? Nicht nur vier Spiele in elf Tagen, sondern vier richtige harte Brocken hatte der Auftakt für den Liga-Neuling parat. Nachdem der TVH bereits in Leipzig und gegen Melsungen an Zählbarem geschnuppert hatte, konnte er ausgerechnet in der Rittal-Arena beim favorisierten Nachbarn HSG Wetzlar mit dem 23:23 seinen ersten Bundesliga-Zähler seit über fünf Jahren bejubeln. »Noch mal in die Kabine zu kommen und mit einem Tor verloren zu haben, wäre schwierig geworden. Vor allem danach die Köpfe wieder hoch zu bekommen«, wusste auch TVH-Trainer Adalstein Eyjolfsson, dass der Punkt nicht nur wegen der Nachbarschafts-Rivalität Gold wert war.

Die Berliner Füchse dagegen waren erst zweimal im Bundesligaeinsatz und hielten sich dabei mit Siegen gegen die Eulen Ludwigshafen und beim SC Magdeburg schadlos. Besonders das 30:26 bei den ebenfalls hoch gehandelten Magdeburgern war ein frühes Ausrufezeichen. Verspätet in die Saison startete der Hauptstadtklub übrigens wegen der erneuten Teilnahme an der Klub-WM in Doha. Wo man allerdings das historische Titel-Triple verpasste, da man im Finale dem FC Barcelona unterlag.

Die Rückkehrer: Mit Trainer Velimir Petkovic und Steffen Fäth kommen zwei alte Bekannte zurück nach Mittelhessen. Der gebürtige Jugoslawe wirkte sechs Jahre lang bei dem damals noch als HSG Dutenhofen/Münchholzhausen auflaufenden Nachbarn und etablierte diese nach dem Aufstieg in der Bundesliga. In Eisenach beerbte »Petko« den beurlaubten Adalsteinn Eyjólfsson, gegen den es nach dessen Amtsantritt in Hüttenberg im Januar 2015 zum Zweitliga-Duell kam, bevor er im Dezember 2016 die Füchse übernahm. Auch Rückraumspieler Steffen Fäth hat eine Wetzlarer Vergangenheit. Unter Trainer Kai Wandschneider reifte der gebürtige Frankfurter zum Nationalspieler und Europameister. Mit zehn Toren beim SC Magdeburg war Fäth der Matchwinner im letzten Spiel.

Aber auch beim TVH hat ein Rückkehrer seine Wichtigkeit im Spiel gegen Wetzlar demonstriert. Linksaußen Christian Rompf, nach sechs Jahren bei der HSG im zweiten Jahr im blau-roten Trikot, verpasste aufgrund einer Leistenverletzung den Saisonstart. Trotz Erkältung wollte er natürlich beim Kräftemessen gegen seinen alten Klub dabei sein und hatte mit vier wichtigen Toren einen nicht unerheblichen Anteil an der Aufholjagd jeweils am Ende der beiden Halbzeiten, die mit dem Punktgewinn belohnt wurde. Den sich aber die gesamte Hüttenberger Mannschaft mit ihrer tollen Moral trotz langem und teils auch deutlichen Rückstand verdiente, da sie sich nicht verrückt machen ließ, sondern zum Unentschieden zurückkam.

Das Personal: Erneut kommen die heimischen Handballfans in den Genuss, einige deutsche Nationalspieler am Ball zu sehen. Nach dem Melsunger-Trio Tobias Reichmann, Julius Kühn und Finn Lemke laufen am Sonntag neben Steffen Fäth mit Torwart Silvio Heinevetter, Paul Drux, Fabian Wiede und Neuzugang Erik Schmitt weitere Adlerträger in der Osthalle auf. Zudem kann Petkovic am Sonntag wohl erstmals in dieser Saison Linksaußen Bjarki Elisson nach dessen Muskelbündelriss in der Wade sowie den in Magedburg krank fehlenden Rechtsaußen Hans Lindberg einsetzen. Auch Rückraumspieler Marko Kopljar hat seine Adduktorenprobleme aus dem Magdeburg-Spiel überwunden.

Den Handballern aus Hochelheim und Hörnsheim dürften nach dem strapaziösen Saisonstart die zehn Tage Pause gut getan haben, um die Akkus wieder aufzuladen. Überzeugen konnte in den ersten vier Spielen speziell das Torhütergespann Matthias Ritschel/Fabian Schomburg. Aber auch die Rückraumakteure Ragnar Jóhannsson, Vladan Lipovina und Tomáš Sklenák zeigten, dass sie immer wieder Nadelstiche gegen die gegnerischen Deckungsreihen setzen können. Auszufallen droht am Sonntag erneut Rückraumspieler Sebastian Roth, der an Rückenproblemen laboriert.

Das sagen die Trainer: Velimir Petkovic kommt mit Respekt zurück nach Mittelhessen. »Hüttenberg hat richtig gute Spiele gezeigt. Die Niederlagen gegen Leipzig und Melsungen waren knapp, auch gegen Magdeburg hat der TVH das Spiel lange sehr offen gehalten. Gegen Wetzlar haben die Hüttenberger ein großartiges Spiel gemacht. Das ist ein ganz starker Aufsteiger.«

Aber Adalstein Eyjolfsson ist sich bewusst. »Da kommt eine brutale Qualität in allen Teilbereichen auf uns zu.« Und hat aber trotzdem mit Mittelmann Petar Nenadic den Schlüsselspieler ausgemacht. »Wir müssen seine Kreise eng machen, damit er nicht selbst torgefährlich ist, aber auch nicht seine Nebenleute einsetzen kann.« Trotz bisher erst einem Punkt auf der Habenseite sieht er seine Mannschaft auf einem guten Weg. »Wenn wir weiter zwischen den Spielen ein bisschen etwas dazu lernen, sind wir auf einem guten Weg.« Seit dem Derby hatten seine Jungs sogar zehn Tage Zeit dafür.


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