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Gelingt Hüttenberg der nächste Coup?

Gießener Allgemeine Zeitung

Samstag, den 21. Oktober 2017 um 13:27 Uhr

Den ersten Saisonsieg noch im Kopf und die schwere Auswärtsaufgabe in Lemgo vor der Brust. Der TV 05/07 Hüttenberg will am Sonntag nachlegen – und am liebsten den nächsten Coup landen.

Von Markus Röhrsheim. Während Nachbar HSG Wetzlar drei Spiele in fünf Tagen zu bewältigen hatte, steht für Handball-Bundesligist TV 05/07 Hüttenberg nach über einer Woche ohne Spiel und vor der kurzen Länderspielpause am Sonntag (12.30 Uhr) die nächste Auswärtsaufgabe auf dem Programm. In der Lipperlandhalle ist man Gast des überraschend stark in die Saison gestarteten TBV Lemgo.

Kraft: Die Mittelhessen konnten nach ihrem ersten Saisonsieg zehn Tage regenerieren. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil nach einem eng getakteten Saisonauftakt, der dem frühen Pokal-Aus geschuldet ist. Lemgo dagegen hatte am Mittwoch das DHB-Pokal-Achtelfinal-Aus gegen Stuttgart, inklusive Verlängerung, zu bestreiten.

Psyche: Natürlich zählt der Hüttenberger Premierensieg gegen Die Eulen Ludwigshafen auch nur zwei Punkte. Doch Trainer Adalstein Eyjolfsson wusste nach dem Spiel ganz genau. »Dieser Sieg war enorm wichtig. Es ist wichtig für die Jungs, eine Siegermentalität zu bekommen.« Nach den Unentschieden in Wetzlar und gegen Frisch Auf Göppingen, als man jeweils noch den Rückstand ausgleichen konnte, behielt man auch gegen Ludwigshafen am Ende die Nerven. Drohte, trotz Führung über fast die komplette Spielzeit, am Ende sogar eine Niederlage, ließen der Ballgewinn von Moritz Lambrecht und der Last-Minute-Treffer von Christian Rompf die Spieler samt über 2000 Zuschauern in kollektiven Jubel ausbrechen.

Lemgo schwebte bis Mittwoch sogar noch mehr auf Wolke sieben. Solch einen Saisonstart haben den Lipperländern vor der Saison wohl die wenigsten zugetraut. Im letzten Jahr noch gerade so am letzten Spieltag dem Abstieg entronnen, rangiert der TBV nach dem neunten Spieltag mit einem positiven Punktekonto auf Tabellenplatz neun, punktgleich mit dem THW Kiel und vor der HSG Wetzlar. Allerdings könnte das Pokal-Aus vor eigenem Publikum hier einen ersten Dämpfer gegeben haben.

Stärke: Lemgos Trainer Florian Kehrmann, der Weltmeister-Rechtsaußen von 2007 und dreimalige Handballer des Jahres, hat aus der letztjährigen Zittersaison die richtigen Schlüsse gezogen. »Wir müssen die Abwehr stabiler stellen«, hatte er schon vor der Saison als Ziel ausgegeben. Um dies umzusetzen, wurden mit Fabian van Olphen (SC Magdeburg) und Isaias Guardiola (HC Erlangen) zwei erfahrene Abwehrstabilisatoren verpflichtet. Lemgo ist zudem zu Hause eine Macht. Musste man sich zum Rundenauftakt dem Meister Rhein-Neckar Löwen nur knapp geschlagen geben, so besiegte man zuletzt Stuttgart zumindest in der Liga. Ebenfalls punktlos die Heimreise antreten musste der SC DHfK Leipzig, während die hochgehandelten Melsunger zumindest einen Punkt entführen konnten. Lemgo will also in der Liga zum vierten Mal hintereinander zu Hause ungeschlagen bleiben. Der deutliche 37:30-Triumph in Gummersbach am letzten Spieltag untermauert die aktuelle Stärke. Hüttenbergs Trainer warnt speziell »vor dem Zusammenspiel von Andrej Kogut und Tim Suton mit dem Kreis. Zudem müssen wir gegen ihr Abwehrbollwerk Lösungen finden«. Doch der Isländer weiß. »Wir sind auch gut in Form und hoffen, dass wir die Leistungen, die wir zuletzt gezeigt haben, in Lemgo bestätigen können.«

Spielweise: »Einen Schönheitspreis haben wir sicherlich nicht gewonnen. Adli hat bestimmt viel zu kritisieren und dies zu Recht. Aber am Ende zählen nur die zwei Punkte. Gegen einen direkten Konkurrenten, noch dazu zu Hause, war dies ein Pflichtsieg«, hatte Hüttenbergs Rückraum-Routinier Sebastian Roth direkt nach dem Schlusspfiff gegen Ludwigshafen betont. 4:4-Punkte aus den letzten Begegnungen zeigen aber auch, dass der TVH durchaus in der Liga mithalten kann. Erst recht, wenn die Neuzugänge Tobias Hahn, Vladan Lipovina und Szymon Sicko weiter intergriert werden und die Dauerläufer Daniel Wernig, Ragnar Johannsson, Dominik Mappes und Tomáš Sklenák mehr entlasten können. Eine Aufgabenteilung wie bei den Torhütern Matthias Ritschel/Fabian Schomburg oder den Abwehrstrategen und Kreisläufern Mario Fernandes und Moritz Zörb ist für die lange Saison bei der kräftezehrenden Hüttenberger Spielweise unerlässlich.

Personal: »Fabian Schomburg, Daniel Wernig und Moritz Zörb waren diese Woche ein bisschen krank«, berichtet Eyjolfsson, der dennoch davon ausgeht, am Sonntag alle Mann an Bord zu haben.


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