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Eine neue Zeitrechnung beginnt

Gießener Allgemeine Zeitung

Samstag, den 04. November 2017 um 10:21 Uhr

Erstes Spiel nach dem  abrupten Weggang von Trainer Adalstein Eyjolfsson – und nun das erste Spiel unter dem neuen Trainer Emir Kurtagic. Wenn am Sonntag um 12.30 Uhr der Anwurf im Bundesligaspiel des TV 05/07 Hüttenberg gegen den TVB Stuttgart erfolgt, beginnt nach knapp einem Drittel der Saison eine neue Zeitrechnung beim Aufsteiger.

Von Markus Röhrsheim. Gerne erinnern sich die Hüttenberger und ihre Fans an den letzten Streich, den sie im letzten Heimspiel in der Gießener Osthalle miterlebten – den Sieg in letzter Sekunde gegen Ludwigshafen. Einen Erfolg will die Truppe um den damaligen Matchwinner Christian Rompf auch am Sonntag an gleicher Stelle gegen die Stuttgarter feiern.

Was ändert sich? Immerhin knapp zwei Wochen hatte der 37-jährige Deutsche mit bosnischen Wurzeln – dank der Nationalmannschaftspause – Zeit, seine neue Mannschaft kennenzulernen und bereits erste Ideen einzubringen. Schon direkt nach seiner Präsentation hatte Kurtagic als Ergebnis des Videostudiums seines neuen Teams angekündigt, dass er die Gefahr aus dem Rückraum erhöhen möchte. Zwar hat die bisher meist-agierende erste Reihe mit Dominik Mappes, Tomáš Sklenák und Ragnar Jóhannsson durchaus ihre Durchschlagskraft und Spielstärke demonstrieren können. In der Beletage des deutschen Handballs ist es aber unerlässlich, auch die Neuzugänge Vladan Lipovina und Szymon Sicko weiter zu integrieren. Linkshänder Lipovina, mit dem Vorteil von über zwei Jahren Bundesliga-Erfahrung auch sprachlich entsprechend besser eingebunden, konnte speziell in der letzten Auswärtsbegegnung in Lemgo mit acht Toren zeigen, dass er für die notwendigen leichten Tore sorgen kann. Was ihm auch die Berufung in die Mannschaft des Spieltages einbrachte. Dennoch müssen sich die Abläufe und das Timing noch weiter verbessern.

Wer fällt aus? »Es ist natürlich schade, dass Szymon jetzt ausfällt. Aber die Saison ist noch lang, und ich hoffe, dass er noch wichtig für uns sein wird«, bedauert Kurtagic, dass sich der Pole Sicko einem Eingriff an der Schilddrüse wird unterziehen müssen. »Bisher war das Hüttenberger Spiel sehr geprägt von den zwei Mittelmännern und den zwei Linkshändern im Rückraum. Da sind die Halblinken etwas zu kurz gekommen, was ein wenig zur Verunsicherung geführt hat. Aber mit Sebastian Roth und Tim Stefan sind wir da immer noch gut aufgestellt, und ich denke, dass wir das am Sonntag auch sehen werden.«

Wie stark ist Stuttgart? Diese Einschätzung fällt schwer. Der TV Bittenfeld machte vor zwei Jahren in Hüttenberg den Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Nach den Plätzen 15 und 14 trauen der Mannschaft von Trainer Markus Baur, als Mittelmann ein wesentlicher Bestandteil der 2007er-Weltmeistermannschaft und auch durch seine Zeit bei der HSG Wetzlar in heimischen Gefilden bestens bekannt, viele Experten in dieser Saison eine weitere Verbesserung zu. Nach zehn Spieltagen rangieren die Gäste aktuell zwar auf Tabellenplatz 13, würden bei einer Niederlage morgen allerdings hinter den TV Hüttenberg rutschen. Der bisher einzige Auswärtssieg im Derby in Göppingen kostete Ende September Magnus Andersson den Job auf der Frisch-Auf-Bank. Auffällig am Stuttgarter Kader ist, dass mit Rechtsaußen Bobby Schagen und dem schweizer Neuzugang Samuel Röthlisberger nur zwei Akteure keine deutschen Wurzeln haben. Zudem hat Baur mit seinen zwei Weltmeisterkollegen, Torwart Johannes »Jogi« Bitter und dem allerdings wegen einem Muskelfaserriss ausfallenden Michael »Mimi« Kraus sowie Kreisläufer-Neuverpflichtung Manuel Späth enorme Routine im Team, die immer noch jedem Gegner das Leben schwer machen kann.

Was sagt Coach Emir Kurtagic? »Natürlich werde ich den Handball nicht neu erfinden, sondern Kleinigkeiten optimieren. Denn vieles war ja bisher gut. Aber die Liga ist brutal. Daher muss man sich immer weiterentwickeln. Denn es werden auch Rückschläge kommen«, verspricht der neue Cheftrainer keine Wunder. Gleichzeitig betont er aber auch: »Die Jungs haben schon Erfolge gehabt und kennen alle ihre Aufgaben. Wir werden gegen Stuttgart unsere bestmögliche Leistung zeigen und wenn möglich punkten. Dazu müssen wir diszipliniert spielen, im Abschluss gegen Bitter fokussiert sein und uns nur auf uns konzentrieren.«


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