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Spiel der Erkenntnisse

Gießener Allgemeine Zeitung

Samstag, den 18. November 2017 um 17:28 Uhr

Klatsche in Flensburg als Lernprozess für Hüttenberg

(mro). Nun hat sie also der TV 05/07 Hüttenberg – die erste richtige Klatsche mit dem 23:38 (9:20) am Donnerstag in Flensburg. Doch war das so unerwartet? Ist es so schlimm, außer, dass das bisher richtig gute Torverhältnis ein wenig gelitten hat? Nein!

Denn die Tabellennachbarn aus Erlangen mit Ex-Trainer Aðalsteinn Eyjólfsson in Magdeburg und Ludwigshafen beim Hüttenberger Nachbarn in Wetzlar gingen ebenfalls leer aus und sind somit weiter nur einen Punkt voraus. Und dass die Teilzeit-Handballprofis ernsthaft den Champions-League-Teilnehmer gefährden können. hatten wohl nur die kühnsten Optimisten gehofft. »Bei Flensburg stehen nur Nationalspieler auf dem Platz«, hatte TVH-Linksaußen Christian Rompf einen Unterschied ausgemacht. Man hatte auf der langen Heimfahrt reichlich Zeit, die Erfahrungen aus dem Spiel gegen eine europäische Spitzenmannschaft sacken zu lassen.

»Wir haben schon immer gesagt, dass wir aus jedem Spiel lernen wollen. Hier haben wir gelernt, dass wir von der ersten Minute an hellwach sein müssen«, war eine Erkenntnis des Linksaußen. »Wir waren zu passiv und haben sicherlich 20 Tempogegenstöße bekommen. Die laufen aber auch so schnell nach vorne wie keine andere Mannschaft.« Doch trotz der Chancenlosigkeit in dieser Partie konnte man durchaus auch positive Dinge mitnehmen. Eine davon lautet sicherlich, dass die beiden zuletzt selten eingesetzten Halblinken, Tim Stefan und Sebastian Roth, am Donnerstag mehr zum Zug kamen, das Spiel variabler machten und durchaus zu gefallen wussten.

Überhaupt konnte Trainer Emir Kurtagic aufgrund der früh entschiedenen Partie einiges ausprobieren. Wie schon bei seinem Amtsantritt gegen Stuttgart wechselte er oft im Tor, musste aber registrieren, dass hier in Flensburg keine Unterstützung kam. Nur vier Paraden in 60 Minuten sind auch gegen Weltklasse-Handballer dann doch zu wenig. Besser war da schon in der zweiten Spielhälfte das schnelle Umschaltspiel, und das gegen die Flensburger Hochgeschwindigkeits-Handballer. So kam man dann doch zu einigen Treffern, die in der ersten Halbzeit, aber auch zuletzt überhaupt, ein wenig gefehlt haben. Wenn dann Temposprinter Daniel Wernig noch öfter gesehen wird, kommt der TVH auch wieder vermehrt zu den dringend benötigten leichten Toren.

Und auch die von Kurtagic in der Schlussphase eingesetzte Variante mit dem siebten Feldspieler, die er seiner Mannschaft in der letzten Auszeit mit den Worten »scheißegal, wie das Spiel läuft«, mit auf den Weg gab, funktionierte ganz vielversprechend. »Der erste Angriff war gut. Beim zweiten nehmen wir dann wieder einen Wurf von zehn Metern, anstatt geduldig auf unsere Chance zu spielen«, sieht der 37-Jährige hier aber Verbesserungspotenzial. Dennoch konnte man mit dieser Maßnahme die Schlussphase gegen zurückschaltenden Gegner ausgeglichen gestalten und für die Zukunft testen.

Also durchaus positive Aspekte, die die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim auf die lange Heimfahrt von der dänischen Grenze mitnehmen konnten. Zumal Emir Kurtagic nach seinem erst dritten Spiel auf der Hüttenberger Bank betonte, dass man noch zwei bis drei Wochen brauchen wird, bis sich Mannschaft und Trainer so richtig aneinander gewöhnt haben. Je schneller, desto besser, steht doch schon in einer Woche (Samstag, 20.30 Uhr, Sporthalle Gießen-Ost) die Heimpartie gegen GWD Minden an.


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