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Bitteres Debüt für Kurtagic

Gießener Allgemeine Zeitung

Montag, den 06. November 2017 um 10:27 Uhr

Der Rahmen passte zur Premiere von Emir Kurtagic auf der Hüttenberger Bank. 2241 Zuschauer wollten den zweiten Heimsieg des Aufsteigers in der Handball-Bundesliga sehen. Doch nicht nur die frühe Rote Karte gegen Sklenák machte dem TVH einen Strich durch die Rechnung. Bei der 23:28-Niederlage war Hüttenberg chancenlos.

Von Markus Röhrsheim. Markus Baur, der Gäste-Trainer, erschien nach dem 28:23 (14:11)-Sieg seiner Stuttgarter in der Sporthalle Gießen Ost gut gelaunt zur Pressekonferenz. »Ein Riesen-Kompliment an meine Mannschaft. Wir haben in der Abwehr geackert, sind viele Wege gegangen und haben dadurch viele Hüttenberger Fehler erzwungen. Und im Angriff haben wir der Hüttenberger 3:2:1-Deckung nicht die Chance gegeben, unser Spiel permanent zu unterbrechen, sondern haben den Ball immer noch zum freien Mann gebracht«, fasste der Weltmeister von 2007 und Ex-HSG-Wetzlar-Akteur das Spiel zusammen. Sein Gegenüber Emir Kurtagic, der sich einen erfolgreichen Einstand als Hüttenberger Trainer gewünscht hatte, konnte dieser trefflichen Analyse nur zustimmen. Denn schon ab der fünften Minute waren die Gäste dominant, und lediglich kurz vor dem Seitenwechsel konnte Hüttenberg darauf hoffen, die Niederlage zu verhindern.

Der TVH war bis zum 2:1 durch zwei Tore des Halblinken Tim Stefan in Front, musste aber nach dem Siebenmeter-Treffer von Dominik Mappes zum 3:3 einem Rückstand hinterherlaufen. Bereits nach dem 6:3 durch Kreisläufer-Routinier Manuel Späth wechselte Kurtagic erstmals im Tor und brachte Fabian Schomburg für Kapitän Matthias Ritschel. Vier weitere Wechsel im Kasten und insgesamt nur vier gehaltene Bälle im gesamten Spiel waren ein deutliches Zeichen, dass das Duell zwischen den Pfosten klar an Gäste-Keeper Johannes Bitter ging. Neun Paraden in Abschnitt zwei, unter anderem gegen die frei vor ihm auftauchenden Ragnar Jóhannsson und Christian Rompf, machten den Deckel auf die Partie für die Stuttgarter, die aber auch in weiteren Teilbereichen überlegen waren.

Der TVH war durch eine überzogene Rote Karte gegen Tomáš Sklenák schon in der 18. Minute einer Angriffsoption beraubt, die den 35-Jährigen traurig zurückließ: »Das war von mir keine Hand und kein Ellenbogen. Rot kam für mich völlig überraschend«, kommentierte er nach Spielende die Szene. »Ich bin sehr enttäuscht, denn wir wollten nach dem Trainerwechsel zeigen, dass wir trotzdem Handball spielen können.« Was sein neuer Coach bestätigte: »Die Jungs waren heiß. Allerdings geht so etwas manchmal auch nach hinten los«, versuchte er die Niederlage zu erklären. Wobei die Disqualifikation sowie ein nur mit einer Zeitstrafe geahndetes rüdes Unterbinden eines Tempogegenstoßes von Moritz Lambrecht durch Gäste-Akteur Dominik Weiß nur kurz darauf die Halle sowie kurzfristig die Blau-Roten auf Betriebstemperatur brachten. Die Hausherren machten aus dem Stuttgarter 11:5 durch den klug Regie führenden Michael Schweikardt, der »Mimi« Kraus (verletzt) bestens ersetzte, ein 9:11, das Dominik Mappes per Hüftwurf aus der zweiten Welle erzielte (24.). Der 22-Jährige, nun alleine in der Spielgestaltung, war mit Abstand bester Hüttenberger und bester Schütze seines Teams, das durch den bereits vierten Tagestreffer von Gäste-Rechtsaußen Finn Kretschmer, der erneut durch vorbildliches Abräumen frei zum Abschluss kam, mit einem 11:14-Rückstand in die Kabinen gehen musste.

»Der TVB hat das Spiel sehr gut breit gemacht, sehr lange gespielt und uns damit das Leben schwer gemacht«, sagte TVH-Coach Kurtagic. Denn auch nach dem Seitenwechsel konnte sich Stuttgart jederzeit auf die treffsicheren Rückraum-Halben Dominik Weiß und Bobby Schagen verlassen, oder Baur beorderte bei drohendem Zeitspiel den 2,07 Meter großen Linkshänder Stefan Salger von der Bank hinter den Block. So verwaltete Stuttgart seinen Vorsprung und ließ die Hüttenberger Hoffnung dahin schmelzen, mit einem Sieg die Gäste in der Tabelle zu überflügeln. »Wir müssen das Spiel schnell abhaken und uns Aufrichten für das nächste Spiel«, sagte Kurtagic. Schon die mindestens genau so wichtige Partie bei seinem Ex-Klub, dem Vorletzten VfL Gummersbach mit dem Neu-Trainer Denis Bahtijarevic, steht bereits am Donnerstag an.

TV Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Stefan (2), Sklenák, Wörner, Lambrecht, Wernig (2/1), Rompf (3), Zörb, Fernandes, Jóhannsson (3), Roth, Mappes (7/2), Hofmann (1), Hahn (1), Lipovina (5).

TVB Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner (1), Salger (2), Weiß (6), Schagen (6/3), Schweikardt (5), Späth (1), Röthlisberger, Burmeister, Kienzle, Kretschmer (6), Orlowski (1), Pfattheicher.

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen). – Zuschauer: 2241. – Zeitstrafen: 2:8 Strafminuten. – Disqualifikation: Sklenák (18.). – Siebenmeter: 3/3 – 3/3.


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