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Kein normales Spiel

Gießener Allgemeine Zeitung

Donnerstag, den 09. November 2017 um 09:33 Uhr

Der Kampf ums Überleben in der Handball-Bundesliga geht für den TV 05/07 Hüttenberg an diesem Donnerstag beim abstiegsbedrohten VfL Gummersbach weiter – beim Ex-Klub des neuen TV-Trainers Emir Kurtagic

Von Markus Röhrsheim. Zweites wegweisendes Spiel für den TV 05/07 Hüttenberg innerhalb von nur fünf Tagen. Nach der Heimniederlage gegen den TVB Stuttgart, muss der Handball-Bundesliga-Aufsteiger an diesem Donnerstag (19 Uhr) in der Schwalbe-Arena beim VfL Gummersbach antreten.

Trainerwechsel in Gummersbach: Nachdem der TV Hüttenberg durch den Abgang von Aðalsteinn Eyjólfsson zum HC Erlangen kurzfristig reagieren musste und Emir Kurtagic verpflichtete, hat auch der VfL Gummersbach einen neuen Trainer. Am Samstag trennten sich die Oberbergischen von Dirk Beuchler, der die Mannschaft erst im Sommer übernommen hatte. 4:18 Punkte, gleichbedeutend mit dem vorletzten Tabellenplatz, kosteten den bundesligaerfahrenen Ex-Kreisläufer den Job. Bei der Neubesetzung des Trainerstuhls sind Parallelen zur Ära von Emir Kurtagic beim VfL zu erkennen. Mit Denis Bahtijarevic wurde der bisherige Trainer der U23-Mannschaft und letztjährige »Co« der Profimannschaft unter Sead Hasanefendic zum Cheftrainer befördert. Ein Weg, der mit Kurtagic bereits 2011 erfolgreich beschritten wurde.

Was lief falsch in Gummersbach? Bereits in der Vorsaison konnte man nur knapp den Abstieg vermeiden. Im Sommer kam mit Beuchler nicht nur ein neuer Trainer. Auch der Geschäftsführer wechselte, und der bisherige Kapitän Christoph Schindler stieg zum Sportdirektor auf. Zudem verließ fast eine halbe Mannschaft im Sommer den Bundesliga-Dino, wobei der Abgang von Top-Torjäger Julius Kühn zur MT Melsungen am schwersten wog. Da sich zudem mit Nationalmannschaftskollege Simon Ernst ein Eckpfeiler sowohl in der Deckung als auch im Angriff einen Kreuzbandriss zuzog und wohl bis Februar ausfällt, fällt der Umbruch um so schwerer.

Wer hat den größeren Druck? Beiden Mannschaften würde ein Sieg so richtig guttun. Gummersbach würde am TVH vorbeiziehen und damit die Abstiegsplätze verlassen. Da zudem danach das Spiel beim Schlusslicht TuS Nettelstedt-Lübbecke ansteht, könnte man innerhalb von zehn Tagen so viele Punkte sammeln wie bisher in elf Spielen. Dass aber ein Trainerwechsel nicht sofort Wunder bewirkt, musste der TV Hüttenberg am Sonntag feststellen. Gegen Stuttgart, eine der beiden Mannschaften, die der VfL bisher besiegen konnte, lief nicht alles rund, obwohl Kurtagic personell alles probierte. Der Trainerwechsel in Hüttenberg erfolgte bekanntlich nicht wegen Erfolglosigkeit. Dennoch wollte die Mannschaft beim Debüt von Emir Kurtagic vielleicht einiges zu gut machen, was dann hemmte. Nachdem man einen großen Schritt in der Tabelle durch die sonntägliche Niederlage verpasst hat, würde ein Hüttenberger Sieg den Vorsprung auf den Altmeister auf drei Punkte anwachsen lassen.

Was sagt Schindler? »Es ist ein Vier-Punkte-Spiel, bei dem es für beide Mannschaften um viel geht«, so VfL-Sportdirektor Christoph Schindler, der eine Partie erwartet, die »über Kampf und Emotionen« entschieden wird. Er ergänzt: »Im Abstiegskampf sind zwei Punkte gegen Hüttenberg zweifelsfrei ein Muss. Die Mannschaft ist jetzt natürlich in der Pflicht. Ich erwarte, dass sie nach dem Spiel gegen Minden und nach dem Trainerwechsel eine entsprechende Reaktion auf der Platte zeigt.«

Das sagt Emir Kurtagic: »Wir haben das Spiel gegen Stuttgart analysiert. Die rote Karte hat uns wehgetan, weil wir danach im Angriff zu sehr von Dominik abhängig waren. Wir haben uns Chancen erspielt, diese aber gegen einen Weltklasse Jogi Bitter nicht verwertet, unter anderem sechs freie Würfe von sechs Metern. Wir haben unsere Linie verlassen und den Fokus aufgrund der Situation etwas verloren. In Gummersbach müssen wir uns auf eine aggressive Abwehr und mit Carsten Lichtlein wieder einen guten Torwart einstellen. Daher müssen wir unsere Angriffe breit machen und mit Geduld spielen. Wir müssen uns auf unsere Stärken als TVH besinnen.«


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