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Die Freundschaft ruht

Gießener Allgemeine Zeitung

Donnerstag, den 09. November 2017 um 09:36 Uhr

Interview mit Hüttenbergs Handball-Trainer Kurtagic

(mro) So schnell kann es gehen. Vor zweieinhalb Wochen wurde Emir Kurtagic nach dem kurzfristigen Abgang von Aðalsteinn Eyjólfsson zum HC Erlangen als neuer Trainer von Handball-Bundesligist TV 05/07 Hüttenberg verpflichtet. Bereits am heutigen Donnerstag geht es in seinem ersten Auswärtsspiel mit dem Aufsteiger zum VfL Gummersbach. Dorthin also, wo der 37-Jährige fast zehn Jahre zunächst als »Co« und nach der Entlassung von Sead Hasanefendic dann als verantwortlicher Trainer tätig war. Im März allerdings musste er nach nur einem Sieg aus elf Spielen gehen.

Herr Kurtagic, Sie wohnen noch in Gummersbach und waren lange dort als Spieler und Trainer aktiv. Kein gewöhnliches Spiel für Sie?
Emir Kurtagic: Ich bin gerade mitten im Umzug nach Langgöns. Nach 22 Jahren in Gummersbach ist einem natürlich nicht alles egal, was dort passiert. Sicherlich werden auch etliche alte Bekannte in der Halle sein. Zudem ist der neue Trainer Denis Bahtijarevic ein guter Freund von mir. Ich habe ihn damals dem VfL empfohlen. Aber heute Abend ruht die Freundschaft für 60 Minuten. Natürlich habe ich mich aber seit meinem Amtsantritt in Hüttenberg sehr intensiv mit meiner Mannschaft beschäftigt. Daher war nicht viel Zeit zum Nachdenken, was auch gut so ist. Heute Abend spielt der VfL Gummersbach gegen den TV Hüttenberg und nicht der VfL gegen mich. Auf alle Fälle müssen wir ein besseres Spiel machen als am Sonntag gegen Stuttgart.

Den Gegner kennen Sie trotz etlicher personeller Wechsel besser als andere Mannschaften, da Sie in dieser Saison schon einige Heimspiele des VfL gesehen haben?
Kurtagic: Ja, das stimmt. Der VfL befindet sich in der Findungsphase, da im Sommer viele neue Spieler gekommen sind. Dazu ein neuer Trainer. Ich weiß, was sie spielen, kenne ihre Stärken und Schwächen. Gummersbach hat auf vielen Positionen unterschiedliche Spielertypen, auf die wir uns einstellen müssen. Sie haben bisher zu Hause einen richtig guten Handball gespielt, auch gegen große Mannschaften. Allerdings haben die Ergebnisse nicht gestimmt. Ich will aber nicht zu viel über den VfL reden. Die sind genug mit sich selbst beschäftigt – und wir mit uns. Ich denke, dass die Psyche eine große Rolle spielen wird.

Mit einem Sieg könnten Sie sich mit dem TV Hüttenberg ein wenig Luft zum VfL verschaffen. Gleichzeitig aber die Nöte in Gummersbach verschärfen. Wie wichtig wäre daher ein Sieg?
Kurtagic: Das wären für uns Riesen-Punkte, ganz klar. Und würde für Gummersbach zugleich die Situation noch einmal verschärfen. Der Druck ist für den VfL viel größer. Wenn sie gewinnen, sind wir nur einen Punkt dahinter. Sollten wir gewinnen, halten wir den Anschluss, denn hinten ist alles eng. Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen, was wir können. Wir müssen unser Spiel machen.


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